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Deutsche Bahn

Bahn schafft Ticket-Erwerb beim Schaffner im Fernverkehr ab

| von Michael Sprick

Die Bahn schafft nächstes Jahr den Ticket-Erwerb beim Schaffner ab. Zugestiegene ohne Ticket können dann nur noch digital ein Ticket nachkaufen.


Bahn schafft Ticket Erwerb beim Schaffner im Fernverkehr ab

Die Bahn schafft in Fernzügen ab 22. Januar den Fahrkartenverkauf bei Schaffnern ab, wie aus einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hervorgeht. Damit werden Zugestiegene keine Möglichkeit mehr haben, sich ohne Internet-Zugang spontan ein Ticket zu beschaffen.

Zusteigen und Ticket nach kaufen – ab 2022 nur noch digital

Bis zum 22. Januar 2022 ist noch die bisherige Regelung beim Ticket-Erwerb möglich. Zugestiegene können sich zum jeweils geltenden Flexpreis und einem Aufschlag von 17 Euro ein Ticket beim Schaffner besorgen. Nach jenem Datum ist dies nur noch per Smartphone oder Laptop möglich – allerdings nur bis zu 10 Minuten nach Zugabfahrt. Hier können die Fahrgäste das Portal bahn.de oder auch die bewährte DB-Navigator App benutzen.

Überraschenderweise gibt es beim Fahrgastverband Pro Bahn keine entschiedene Kritik an der Abschaffung dieser Möglichkeit. „Kein großer Verlust“, heißt es beim Verband. Der Ehrenvorsitzende von Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, erklärt, weshalb der spontane Ticketkauf beim Schaffner für den Verband wenig ins Gewicht fällt: „Nach unserer Beobachtung nutzen das vor allem Geschäftsleute, denen es auf das Geld nicht ankommt und die zwei Handys dabei haben.“

Kritik fordert offeneres System oder Rückfall-Ebene

Die Bahn betont, dass nur eine unbedeutende Minderheit von weniger als einem Prozent der Bahn-Kunden den Ticketerwerb beim Schaffner nutzen und damit ohnehin fast irrelevant sei. Allerdings hängt dies auch mit dem hohen Aufpreis zusammen, den die Bahn 2016 erhöht hat, um die Schaffner bewusst für andere Service-Tätigkeiten einsetzen zu können.

Eine stärkere Kritik an diesem Grundsatz kommt daher von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Diese wirbt für ein offenes Ticket-System: „Wir haben immer für ein offenes System plädiert, das Reisenden im Fernverkehr spontan die Möglichkeit eröffnet, den Zug als ideales Verkehrsmittel zu wählen“, betonte die Gewerkschaft. Grundsätzlich setzt sich die Gewerkschaft auch stark für die Inklusion von älteren Menschen ein, die oft keinen Zugang zu digitalen Geräten haben.

Schlussendlich setzt sich dafür auch Pro Bahn ein. Der Verband stellt sich ein Rückfall-System für Ausnahmefälle vor: „Wir fordern, dass der Zugbegleiter dann die Daten aufnimmt und die Bahn später eine Rechnung schickt“ – ohne „erhöhtes Beförderungsentgelt“.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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