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Bericht: „Pandemie verschärft Pilotenmangel“

| von Michael Sprick

Die Pandemie hat den Flugverkehr stark eingeschränkt. Dennoch sorgt diese Situation für einen Pilotenmangel, mit dem die Fluggesellschaften in Zukunft zu kämpfen haben.


Bericht: "Pandemie verschärft Pilotenmangel"

Die Luftfahrtindustrie leidet eigentlich bereits seit Jahren an einem Pilotenmangel. Zwar hat die Corona-Pandemie das Problem kurzfristig entspannt, aber nun könnte das Problem sich sogar noch stärker verschärfen.

Pandemie verschafft „temporäre Atempause“

Zumindest, wenn man einem neuen Bericht der in London ansässigen Beratungsfirma Oliver Wyman Glauben schenkt. Dieser nennt die derzeitige Krise eine „temporäre Atempause“ für das Problem des Pilotenmangels. Bei Normalisierung des Flugverkehrs sei aber mit einer Verschärfung des Problems zu rechnen.

Für die Wiederherstellung des Passagieraufkommens auf Vorkrisen-Niveau reichen die Schätzungen von 2023 bis 2024 und sogar noch darüber hinaus. Die Nachfrage nach Piloten wird jedoch eher von den Abflügen und der Auslastung der Flugzeuge als von den Passagieren bestimmt. Daher werden auch bei annähernd normalem Flugverkehr wieder viele Piloten gebraucht. Es steht laut Oliver Wyman ein Pilotenmangel bevor.

Die Beratungsfirma stellte fest, für den kommenden Mangel unterschiedliche Ursachen je nach Region fest. Auch in Europa gibt es das Problem, obwohl es im Vergleich sich noch am ehesten bei einem Ausgleich beände. LautOliver Wyman sähre aber besonders in den USA die Lage kritisch aus.

USA mit dringenden Problemen beim Pilotenmangel

Das Land habe eine alternde Belegschaft, die mit der Zwangsverrentung konfrontiert sei. Zudem verlassen weniger Piloten als zuvor das Militär. Die hohen Eintrittsbarrieren versperren die Perspektive auf den Beruf. Insbesondere die Ausbildungskosten, die Piloten auch in Europa selbst tragen müssen, sind ein zu hohes Risiko für viele junge Menschen.

Die im Bericht genannte „Atempause“ sei nicht von Dauer. Entlassungen, die die Fluggesellschaften während der Pandemie treffen und getroffen haben, könnten die ihre Fähigkeit gefährden, sich zu erholen und in Zukunft zu wachsen. Derzeit wandern viele Piloten in andere Jobs ab und es ist fraglich, wie viele von ihnen in ihr altes Berufsbild zurückfinden werden.

Auswirkung der Pandemie auf den Pilotenmangel

In den letzten Jahren haben die Fluggesellschaften neuen Piloten einen direkteren Weg ins Cockpit ermöglicht, indem sie die Kadettenausbildung ausweiteten und Finanzmittel zur Verfügung stellten. Mit der Pandemie sind diese Programme unter Druck geraten. Angesichts steigender Kosten und eines Pilotenüberschusses werden die Ausbildungsprogramme zurückgefahren. Einige der Banken, die zuvor die Finanzierung unterstützt hatten, überdenken derzeit das Risikoprofil eines auszubildenden Piloten.

„Betrachtet man vergangene Krisen wie 9/11 und die globale Finanzkrise (von 2008), so fielen die Neuzertifizierungen von Piloten in den fünf Jahren nach dem ersten Schock um 30 bis 40 Prozent“, stellte Oliver Wyman fest. „Angesichts der globalen Natur dieses Schocks glauben wir, dass 25.000 bis 35.000 aktuelle und zukünftige Piloten in den nächsten zehn Jahren alternative Karrierewege wählen könnten.“

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass es nur eine Frage der Zeit sei, wann der Pilotenmangel auftritt und wie groß die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage sein wird.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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