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Das Reise-Paradoxon in Spanien: Urlaub nur für Ausländer

| von Michael Sprick

Für Ausländer ist der Spanien-Urlaub derzeit möglich. Einheimische selbst müssen dagegen im Lockdown verharren. In Spanien sorgt diese paradoxe Situation derzeit für starken Unmut. Wie kommt es zu der Ungleichbehandlung?


Das Reise Paradoxon in Spanien: Urlaub nur für Ausländer

Anfang der Woche haben wir euch über den möglichen Oster-Urlaub auf den Balearen berichtet. Alltours öffnet seine Allsun Hotels bereits am 17. März wieder auf Mallorca. Derzeit sinken die Inzidenzzahlen auf den Balearen wieder und Alltours spekulierte darauf, dass die Sachlage zur Aufhebung der Reisewarnung für die Balearen führen wird. Dies würde nämlich die Quarantäne-Pflicht bei Rückkehr aus den Balearen aufheben.

Spanien-Urlaub ist derzeit mit Einschränkungen möglich

Nach heutigem Stand ist das noch nicht geschehen. Dennoch ist ein Urlaub auf den Balearen unter Einhaltung der Testpflicht möglich. Auch die Restaurants und Bars haben bis 17 Uhr geöffnet. Es gilt jedoch eine Ausgangssperre von 22 – 6 Uhr. Das Paradoxon hierbei ist, dass der Urlaub für Ausländer in Spanien möglich ist. Einheimischen Spaniern ist dagegen der Urlaub untersagt. In Spanien sorgt diese Situation für großen Unmut, wie zum Beispiel aus einem Kommentar der Reise-News-Seite Preferente hervorgeht.

Wie kommt es zu dieser widersprüchlichen und ungleichen Behandlung?

Für den Widerspruch gibt es mehrere Gründe. Wie auch Deutschland ist Spanien föderal organisiert. Die Corona-Maßnahmen können höchstens für einen begrenzten Zeitraum in den Händen der Zentralregierung sein. Das war in Spanien im März 2020 der Fall, später delegierte die Regierung unter Sanchez die Verantwortung jedoch an die 17 Comunidades, den Gemeinschaften oder Regionen von Spanien. Diese haben mit Ausnahme der Kanaren und Madrid relativ strenge Corona-Maßnahmen angeordnet. Fahrten und Reisen in andere Regionen sind weitestgehend nicht erlaubt.

Grenzschließung ist Sache der Nationalregierung und rechtlich schwieriger umzusetzen

Jedoch haben die Regionen nicht die Macht, die Grenze Spaniens für Ausländer zu schließen. Diese Gewalt liegt weiterhin bei der spanischen Zentralregierung. Sie hat von ihr von März bis Juni vergangenen Jahres Gebrauch gemacht. Außerdem auch für bestimmte Risiko-Gebiete, die nicht zur EU gehören wie zum Beispiel Großbritannien. Seit vergangenem Dezember sind nicht essentielle Reisen aus diesen Ländern offiziell nicht mehr gestattet.

Allerdings lassen sich auch solche Verbote nur schwierig über längere Zeiträume umsetzen. Reise- und Bewegungsfreiheit ist im UN-Zivilpakt ein fest definiertes Menschenrecht. Es lässt sich nur durch ausdrückliche Bedrohungen einschränken.

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Theoretisch könnte es dieses Problem auch in Deutschland geben. Der Bewegungsradius war in Sachsen bereits etablierte Praxis und auch die Hauptstadt stand kurz vor der Einführung der Bewegungseinschränkung. Hätten Hotels in diesem Fall die generelle Erlaubnis gehabt, zu öffnen, dann hätten Ausländer womöglich in Deutschland ebenfalls die Möglichkeit gehabt, hier Urlaub zu machen, während wir Deutschen im Lockdown hätten verharren müssen. Gerecht klingt das natürlich nicht.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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