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Deutschland: Touristikverbände weisen erneut auf prekäre Lage der Branche hin

| von Michael Sprick

Die Situatiodeun für die globale Touristik bleibt kritisch: Das Aktionsbündnis Tourismusvielfalt (ATV) begrüßt die neuen bundesweiten Corona-Regeln, weist jedoch auf die massiven Auswirkungen auf die Tourismusbranche hin.


Deutschland: Touristikverbände weisen erneut auf prekäre Lage der Branche hin
Weihnachtsmarkt in Trier.Bildnachweis: Unsplash / Diogo Palhais


Die neuen bundesweiten Corona-Regeln seien sinnvoll, hätten allerdings gravierende Auswirkungen auf die Tourismusindustrie. Darauf weist das Aktionsbündnis Tourismusvielfalt (ATV) hin, ein Zusammenschluss von 28 touristischen Branchenverbänden.

Politik soll Verantwortung für drei Millionen Beschäftigte in der Touristik tragen

Die Politik müsse sich ihrer Verantwortung für die über drei Millionen direkt in der Touristik Beschäftigten in Deutschland bewusst sein. Diese seien in der die zweiten und dritten Wertschöpfungsketten noch nicht berücksichtigt. Das Aktionsbündnis verweist dabei vor allem auf die Situation in Afrika. Hier drohen der Bevölkerung wegen der Reisebeschränkungen durch die Virusvariante Omikron fatale Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Ernährungssituation.

„Politische Entscheidungen mit Bedacht wählen“

Das Bündnis verweist auch darauf, dass der inzwischen stark angepasste und neu organsierte Tourismus nicht als Infektionstreiber gilt.

„In den vorherigen Corona-Wellen hat sich immer wieder gezeigt, dass die touristisch Reisenden nicht die Multiplikatoren des Virus und der organisierte Tourismus nicht der Auslöser für die derzeitige vierte Welle sind“, betont ATV-Sprecher Michael Buller. „Die aktuellen schnellen
Reise-Restriktionen aufgrund der Omikron-Virusvariante sorgen für eine große Verunsicherung beim Endverbraucher. Dies hat auf die globale Touristik gerade jetzt zur Hauptbuchungszeit massive wirtschaftliche Folgen.“

Forderung nach Verlängerung der Überbrückungshilfen

Da die nun neu entstandenen wirtschaftlichen Schäden nicht auf Eigenverschulden zurückzuführen seien, fordert das Bündnis auch neue Überbrückungshilfen:

„Viele touristische Unternehmen sehen sich aktuell dazu gezwungen, wieder in den Stillstand zu gehen“, ergänzt ATV-Sprecherin Petra Thomas. „Hier helfen eine Verlängerung der Überbrückungshilfen und des Kurzarbeitergelds bis Ende März 2022 nur bedingt. Zumal bei Kurzarbeitergeld eine drastische Einschränkung beschlossen wurde, da 50 Prozent der Sozialleistungen nur noch bei Teilnahme an Weiterbildungen gezahlt werden.“

Restriktionen gegen Touristik-Unternehmen und Reisebüros unverhältnismäßig hart

Die aktuelle Verunsicherung strahle zudem auf alle Reiseländer aus.
„Die touristischen Unternehmen und auch die stark beeinträchtigten Länder wie derzeit auf dem afrikanischen Kontinent dürfen nicht alleine gelassen werden“, so die Forderung von Michael Buller. „Coronaregeln wie in Sachsen, wo Reisebüros schließen mussten, alle anderen Geschäfte aber geöffnet bleiben durften, sind für die Tourismusbranche ein Schlag ins Gesicht.“

Bündnis fordert einheitliche Corona-Strategie

Das Aktionsbündnis Tourismusvielfalt wiederholt seine Forderung aus dem Positionspapier vom vergangenen September. Ein Flickenteppich unterschiedlicher Länderverordnungen dürfe nicht wieder zu Verunsicherung und Chaos führen. Sie würden sich nachteilig für die Unternehmen der Tourismusbranche und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auswirken. Es gehe um eine einheitliche Coronastrategie.

Auch solle die Branche bei der Anpassung des Pandemieplans unbedingt eingebunden werden. „Sie hat in den vergangenen anderthalb Jahren intensiv in wirksame Infektionsschutzmaßnahmen investiert und ist weiterhin bereit, ihren Beitrag zur Vermeidung der Ausbreitung des Virus zu leisten. Doch müssen diese Maßnahmen auch angemessen sein“, bekräftigt Petra Thomas.

KFW-Kredite – Bündis fordert Verlängerung der Laufzeiten

Mit dem angekündigten Krisenstab, den die neue Bundesregierung im Bundeskanzleramt einsetzen will, sieht das ATV aber eine der in seinem Positionspapier angeführten Forderungen erfüllt. Zahlreiche touristische Unternehmen stünden dem Aktionsbündnis zufolge zudem vor der
Situation, dass sie mit den Rückzahlungen ihrer KFW-Kredite beginnen müssten.

Er plädiert für ein rasches Nachbessern bei den Ursprungsprogrammen, konkret eine Verdoppelung der Laufzeit, eine Tilgung erst ab 2024 sowie einen deutlich reduzierten Zinssatz.
Die Tourismusexpertinnen und -experten des Aktionsbündnisses stellen sich auch der neuen Ampel-Koalition mit ihrer langjährigen Expertise für ein Gespräch zur Verfügung, um gemeinsam abzuschätzen, welche Folgen die neuen Corona-Regeln für die Tourismusbranche haben.

„Die wirtschaftliche Gewichtung unserer Branche wurde in den vergangenen Jahren leider massiv unterschätzt“, bekräftigt Petra Thomas. „Hier hoffen wir auf deutlich mehr Bewegung und vor allem auch konkreten Austausch mit den neuen Regierungsparteien.“

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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