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EU erwägt Urlaubsreisen aus den USA wieder zu sperren

| von Michael Sprick

Die EU zieht eine Schließung für den Flugverkehr aus den USA wieder in Erwägung. Die Inzidenz ist zuletzt wieder stark angestiegen.


EU erwägt Urlaubsreisen aus den USA wieder zu sperren
Skyline von New York. Bildnachweis: Unsplash / Aleksas Stan

Die Europäische Union debattiert derzeit über die Wiedereinführung von Reisebeschränkungen für Urlauber aus den USA. Auslöser für die Diskussion sind die wieder stark steigenden Infektionszahlen in den USA.

Inzidenz in den USA wieder deutlich erhöht

Die 7-Tage-Inzidenz ist in den USA seit Mitte Juli wieder stark angestiegen und hat den Wert von 300 vergangene Woche überschritten. Sie liegt jetzt bei mehr als 329,4, was nach dem Vereinigten Königreich (349,7) der zweithöchste Wert in den Industrienationen ist. Damit besteht wieder ein starkes Argument dafür, den transatlantischen Flugverkehr wieder für Reisen zu schließen, die nicht-essentiell sind.

Zudem ist mit dem Ende des Sommers die Urlaubssaison vorbei. Die Öffnung geschah vor allem auf Druck der Staaten, deren Wirtschaft auch stark vom Tourismus abhängt. Daher hatte Europa und auch das Vereinigte Königreich die einseitige Öffnung in Kauf genommen. Währenddessen sieht es in den USA weiterhin so aus, als bliebe der Flugverkehr für den Tourismus noch mindestens bis Jahresende gesperrt.

Öffnung geschah aus Druck der Tourismus-Länder

Die EU ist daher uneins zwischen den Kriterien, die die Länder für die Bewertung der Situation von Nicht-EU-Ländern haben, dem wirtschaftlichen Interesse an transatlantischen Reisen und der Behandlung, die die europäischen Länder selbst von der Biden-Administration erfahren.

Seit Juni ist die Einreise in die Vereinigten Staaten aus EU-Ländern wieder möglich. Damals gab es einen starken Rückgang Infektionszahlen und die Impfrate begann in allen EU-Ländern sowie in den USA zu steigen. Bei einem EU-Gipfel, bei dem auch Biden anwesend war, beschlossen die Regierungschefs eine Öffnung des Flugverkehrs auf beiden Seiten beschlossen.

Nachdem die USA aber zu der Einschätzung gekommen waren, dass dies nicht nachhaltig und sicher möglich sei, beschloss die EU auf Druck der südeuropäischen Länder auf das Prinzip der diplomatischen Gegenseitigkeit zu verzichten. Nach wie vor empfiehlt die US-Regierung ihren Bürgern jedoch, nicht nach Europa zu reisen.

Öffnung bringt Europa in paradoxes Verhältnis zu den USA

Die Infektionsraten sind derzeit in allen EU-Ländern besser als in den USA, was jedoch nicht zu Änderungen der transatlantischen Reisepolitik geführt hat. Damit stehen wir vor der paradoxen Situation, dass US-Amerikanern Einreisen nach Europa zu touristischen Zwecken gestattet sind, aber Europäer nicht aus gleichem Grund in die USA reisen dürfen. Und das obwohl die Inzidenz in Europa inzwischen einheitlich besser ist.

Die Biden-Administration, die Europa – einschließlich des Vereinigten Königreichs – weiterhin als Hochrisikozone mit der Empfehlung „Do Not Travel“ betrachtet, hat zu keinem Zeitpunkt ein definitives Öffnungsdatum angekündigt. Es ist daher unwahrscheinlich, dass sich diese Situation kurzfristig ändert. Die Luftfahrtindustrie bereitet sich unterdessen darauf vor, ihre Pläne auf eine mögliche Eröffnung im November anzupassen.

Zahl der Fälle in den USA steigt

Nach den EU-Kriterien können Drittländer als sicher gelten, wenn sie eine 14-Tage-Inzidenz von weniger als 75 aufweisen. Derzeit hat dieser Wert die Schwelle von 600 überschritten und die Tendenz ist weiterhin steigend. Nach diesem Kriterium sollten die Beschränkungen also wieder eingeführt werden. Ohnehin stufen die meisten europäischen Länder die USA wieder als Hochrisikogebiet ein. Dazu zählt seit dem 15. August auch Deutschland.

Anfang August überlegten die EU-Behörden bereits, wie sie mit den USA verfahren sollten, als die Inzidenz den Wert von 150 wieder überschritt. Da dies jedoch noch mitten in der Urlaubssaison war, überwog der wirtschaftliche Nutzen der US-Touristenreisen. Zudem waren die europäischen Infektionszahlen teilweise auf einem ähnlich hohen Niveau. Die Beschränkungen wurden damals nicht wieder eingeführt. Doch das Europäische Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) erklärte, dass sie die Entscheidung Ende des Monats überprüfen würde.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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