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EuGH: Flugumleitung in nahe gelegenes Gebiet – kein Entschädigungsanspruch

| von Michael Sprick

Einem Urteil des Europäischen Gerichtshof zufolge sind Fluggesellschaften nicht zu Entschädigungen verpflichtet, wenn sie einen Flug lediglich zu einem nahegelegenen Flughafen umleiten.


EuGH: Flugumleitung in nahe gelegenes Gebiet kein Entschädigungsanspruch

Der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) hat entschieden, dass die bloße Umleitung eines Fluges zu einem nahegelegenen Flughafen nicht automatisch zu einem Anspruch der betroffenen Passagiere auf eine Entschädigungszahlung führt. Das meldete die Welt.

Entschädigung nur ab drei Stunden Verspätung

Nach dem neuen Urteil haben Fluggäste nur einen Anspruch auf Entschädigung, wenn sie mit drei Stunden oder mehr Verspätung am ursprünglichen Zielort ankommen.

Die Fluggesellschaft muss stattdessen „von sich aus die Übernahme der Kosten für die Beförderung zu dem Zielflughafen, für den die Buchung vorgenommen wurde, oder gegebenenfalls zu einem anderen nahe gelegenen, mit dem Fluggast vereinbarten Ort anbieten“, erklärte der EuGH in einer Stellungnahme.

Fall: Flugumleitung von Tegel nach Schönefeld

Ist dies nicht der Fall, hat der Passagier Anspruch auf Erstattung dieser Kosten. Er hat aber in keinem Fall das Recht auf eine Entschädigung von für große Verspätungen oder Annullierungen.

Das Urteil des Gerichtshofs ergeht auf eine Vorlagefrage des Landesgerichts Korneuburg (Österreich) in der Rechtssache eines Fluggastes der Austrian Airlines. Bei seinem Flug von Wien (Österreich) nach Berlin (Deutschland) beanspruchte er eine pauschale Ausgleichszahlung von 250 Euro.

Seine Maschine sollte ursprünglich auf dem Flughafen Berlin-Tegel landen. Sie landete aber schließlich mit fast einer Stunde Verspätung auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld.

Austrian Airlines bot keine Kostenerstattung an

Austrian Airlines bot dem Fluggast keine zusätzliche Beförderung an und auch nicht, die Kosten für die 35 Kilometer zwischen den beiden Flughäfen zu übernehmen. Immerhin eine Fahrzeit von etwa 45 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Austrian Airlines argumentierte, dass die Fluggesellschaft für diesen Umstand nicht automatisch eine Entschädigung zahlen muss. Das Unternehmen fügte hinzu, dass die Verspätung auf außergewöhnliche Umstände wie „schwere Wetterprobleme“ zurückzuführen sei.

Nähe zwischen Schönefeld und Tegel entscheidend

Das Gericht bestätigte die Argumente der Fluggesellschaft. Es gibt demnach keinen automatischen Ausgleich für die bloße Umleitung des Fluges auf einen nahegelegenen Flughafen. Es präzisierte zudem, dass ein Flugplatz, der dieselbe Stadt oder Region bedient, als Alternative in Betracht kommt. Dieser müsse aber nicht im selben Gebiet (im administrativen Sinne) liegen wie die Stadt oder Region, in der sich der eigentliche Ankunftsflughafen befindet. Denn der Flughafen Schönefeld (heute Terminal 5 des BER) liegt eigentlich auf dem Gebiet des Landes Brandenburg.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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