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Flughafen-Chaos BER: Wer trägt die Schuld?

| von Michael Sprick

Der Flughafen BER hat das Flughafenchaos inzwischen hinter sich. Nun stellt sich die Frage nach dem Schuldigen.


Flughafen Chaos BER: Wer trägt die Schuld?
Terminal 1 Des BER. Bildnachweis: FBB GmbH

Das Berliner Verspätungschaos vom Wochenende, das sich auch in diese Woche noch hineinzog, scheint nun politische Konsequenzen über Verwaltung, Finanzen und die Wirtschaftlichkeit des Flughafens auf. Am Wochenende nahmen die Verzögerungen solche Ausmaße an, dass Passagiere ihre Flüge erst mit Verspätung wahrnehmen konnten oder sie sogar verpassten.

Das Passagieraufkommen vom Wochenende

Zeitweise riet die Lufthansa ihren Kunden den Flughafen schon vier Stunden vor Abflug aufzusuchen, um rechtzeitig abgefertigt zu werden. Berichten zufolge hatte der Flughafen BER am Wochenende mit einem Aufkommen von 55.000 – 67.000 Fluggästen zu kämpfen. Das ist etwa die Hälfte von dem, was die Berliner Flughäfen 2019 abfertigten, als zu Spitzenzeiten 120.000 Passagiere die beiden alten Flughäfen anliefen.

Auch musste der Flughafen schon im Sommer ein ähnlich hohes Niveau an Passagieren abfertigen. Schon im Juli meldete die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB), dass sie erstmals wieder 50.000 Passagiere an einem Tag abfertigte. Woran scheiterte es beim Flughafen also an diesem Wochenende?

Flughafenleitung rechnete mit hohem Aufkommen und mit Verspätungen

Der Führung des Flughafens war durchaus nicht überrascht von dem Aufkommen, dass es am vergangenen Wochenende erwartet hat. So gab der Flughafen am Donnerstag noch selbst bekannt, dass das Wochenende mit einem Aufkommen von 60.000 – 65.000 Passagieren jeweils am Freitag, Samstag und Sonntag sehr verkehrsreich wird. Grund dafür sind die beginnenden Herbstferien.

Auch hatte der Flughafen die Passagiere zuvor gewarnt, dass es zu Verzögerungen kommen könnte:

„Da einige Prozesse am Flughafen in Folge der coronabedingten Kontrollanforderungen und der einzuhaltenden Abstands- und Hygieneregeln deutlich länger dauern, werden Passagiere gebeten, sich vor Reiseantritt gut vorzubereiten, mindestens zwei Stunden vor dem Flug angereist zu sein sowie Reise- und Covid-Dokumente vor der Abfertigung vollständig und griffbereit zu haben. Des Weiteren kann es teilweise zu verlängerten Gepäckausgabeprozessen nach Ankunft des Fluges kommen.“

Die Suche nach dem Schuldigen

Offenkundig ist, dass die Verzögerungen zum Teil stärker ausfielen. Die beteiligten Parteien, also die Beförderer und der Flughafen selbst, schieben sich dabei gegenseitig die Schuld zu. Die Lufthansa nannte das Fehlen von mobilen Zustiegstreppen als Grund. Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH verwies dagegen darauf, dass die Fluggesellschaften die Schalter unterbesetzt hätten. Grund dafür seien Krankmeldungen gewesen. Auch bei den Bodenbesatzungen soll es zu Krankheitsfällen gekommen sein.

Der Spiegel zitiert Vertreter von Verdi und dem Flughafenverband ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen), die beide die personelle Lage am Flughafen bemängelten. So seien laut ADV im Zuge der Corona-Krise viele Beschäftigte der Flugbranche in andere Bereiche abgewandert. Die Verdi kritisierte zudem die niedrigen Löhne der Flughafenbeschäftigten. Der Wettbewerb der Flughafenbetreiber hätte zu einem „Rattenrennen“ um die niedrigsten Löhne geführt.

Ganz anders sieht dies allerdings BER-Sprecher, Jan-Peter Haack. Dieser verweist darauf, dass der Betrieb am Freitag noch reibungslos ablief. Erst am Samstag seien die massiven Verspätungen aufgetreten. Die Krux an der Sache ist, dass das Aufkommen laut Haack am Freitag mit 67.000 Passagieren deutlich höher war als am Samstag, wo der Flughafen nur 55.000 Gäste abfertigen musste. Haack zieht daraus den Schluss:

„Wenn es am Freitag mit mehr Passagieren klappt, am Samstag mit weniger Passagieren aber nicht, zeigt das, dass die Infrastruktur den aktuellen Passagierzahlen gewachsen ist.“

Kurze Ausfälle treten im Verkehr immer wieder mal auf

Ist das ganze also nur ein unglücklicher Zufall gewesen? Möglich, krankheitsbedingte Ausfälle haben in der Vergangenheit immer wieder Mal zu lokalen Problemen geführt. Ein vergleichbares, größeres Ereignis ist zum Beispiel der Ausfall von Fahrdienstleitern am Bahnhof von Mainz im Sommer 2013, das ebenfalls landesweite Schlagzeilen machte und für Zugverspätungen und Ausfällen in der ganzen Rhein-Main-Region sorgte.

Anders als am Flughafen BER löste dies jedoch keine Grundsatzdebatte wie beim Flughafen BER aus. Kritiker aus Politik und Wirtschaft fordern inzwischen Konsequenzen und sich auch dabei uneins, wie nun vorzugehen ist.

Politik fordert Konsequenzen

Brandenburgs Finanzministerin, Kathrin Lange: „Das Land Berlin wird daher in den entsprechenden Unternehmensgremien auf eine umfassende Analyse der Ereignisse drängen und darauf hinwirken, dass die FBB gemeinsam mit den Airlines, der Bundespolizei und den Bodenverkehrsdienstleistern ein Präventionskonzept zur Vermeidung solcher unzumutbaren Zustände entwickelt.“

Verwaltungswissenschaftler Seibel ist dabei der Meinung, dass die Verwaltung in Berlin grundsätzlich neu gestaltet werden müsse: „Solange man die Bezirksverwaltung nicht integriert in eine einheitliche Landesverwaltung, können die Probleme nicht bewältigt werden“.

Auch gibt es schon seit längerem eine Debatte über ein Insolvenzverfahren der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH. Die massiven Schulden würden die Wirtschaftlichkeit und damit einen optimalen Betrieb des Flughafens verhindern. Unter dem Strich sei dies kosteneffektiver als ein Weitermachen, wie der Wirtschaftsprüfer Karl-Heinz Wolf schon im Juni erklärte.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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