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Deutsche Bahn

Fronten zwischen Bahn und GDL auch nach zweitem Streik verhärtet

| von Michael Sprick

Auch nach dem zweiten Streik scheinen die Fronten zwischen der Bahn und der GDL noch immer verhärtet. Da beide Seiten nicht einlenken, könnten sich neue Streiktage anbahnen.


Fronten zwischen Bahn und GDL auch nach zweitem Streik noch immerverhärtet
ICE am Frankfurter Flughafen. Bildnachweis: Unsplash / Markus Winkler

Nach Beendigung des Bahnstreiks am gestrigen Mittwochen scheinen sich weiterhin keine Fortschritte bei der Verhandlungsbereitschaft der beiden beteiligten Parteien abzuzeichnen. Zumindest lässt sich dies nicht aus der Rhetorik des Chefs der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Deutschen Bahn (DB) entnehmen.

GDL sieht auch zweiten Streik als Erfolg

So zieht der GDL-Chef, Claus Weselsky, eine erfolgreiche Bilanz des Bahnstreiks und bezichtigt die Bahn-Führung der Lügen und der Missachtung der eigenen Belegschaft:

„War schon der erste Streik erfolgreich, so haben die Beschäftigten im zweiten Arbeitskampf noch einmal kräftig nachgelegt. Die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner sind es leid, von ihrem Arbeitgeber Deutsche Bahn belogen, betrogen und missachtet zu werden“, so der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer Claus Weselsky zur Bilanz des Arbeitskampfs.“

Bahn sieht Fahrgäste als Hauptgeschädigte

In den Worten des DB-Konzernsprechers, Achim Strauß, klingt die Bilanz der Deutschen Bahn dagegen völlig anders. Zwar stimme es, dass der Streik der Bahn geschadet habe, dies treffe aber vor allem die Fahrgäste der Bahn:

„Der zweite Streik war für unsere Fahrgäste wieder eine große Belastung auch wenn es uns gelungen ist, wieder einen sehr stabilen Ersatz-Fahrplan im Nah- und Fernverkehr anzubieten. Auch wenn viele Reisende ihre Fahrt verschoben haben, denn die Tickets waren flexibel gültig.“

Weiterhin wirft die Deutsche Bahn der GDL allerdings vor, dass sie vor allem auch andere Ziele verfolge. Es ginge ihr vor allem um die Ausweitung ihres Einflussbereiches. Dieses Ziel zu erreichen, sei ihr aber wieder nicht gelungen:

„Die GDL-Spitze hat auch beim zweiten Streik ihr eigentliches Streikziel nicht erreicht. Nämlich ihren Einflussbereich auszudehnen. Aufgerufen zum Streik waren ja nicht nur Lokführer, sondern auch Mitarbeiter aus anderen Bereichen der Bahn. So zum Beispiel in der Instandhaltung, in den Werkstätten oder in der Infrastruktur. In unserem Bereich Infrastruktur haben 60 Mitarbeiter gestreikt – 60 von 60.000. und auch bei den Instandhaltungswerken lag die Sreikbeteiligung im Promill-Bereich. Der GDL-Spitze ist es wieder nicht gelungen, Mitarbeiter aus diesen Bereichen zu organisieren.“

GDL fordert Einlenken der Bahn-Führung

Aus Sicht von Claus Weselsky ist es aber die Bahn, die Bahn die während des Streiks negativ auftrete:

 „Der Konzern gibt insgesamt ein denkbar schlechtes Bild ab. Erst verursacht die DB-Führung durch jahrelanges Missmanagement Milliardenverluste und will diese dann unter dem Vorwand eines sogenannten Solidarbeitrags auf die Beschäftigten abwälzen. Währenddessen gönnen sich die Manager ungerührt satte Boni und fahren bis zu 20.000 Euro monatlich Altersvorsorge ein.“ Zudem sollen die Führungskräfte ihren Angestellten die ohnehin schmalen Betriebsrenten kürzen.“

„Die Eisenbahner haben Anerkennung und Wertschätzung verdient. Sie fordern einen gerechten Anteil bei der Einkommenserhöhung, eine Corona-Prämie, Arbeitszeitverbesserung und den Schutz ihrer kleinen Betriebsrenten“, so der GDL-Bundesvorsitzende. „Statt weiterhin Steuergelder sinnlos zu verbrennen, sollte die DB auf die GDL zugehen und endlich in die Eisenbahner, in die Zukunft des Eisenbahnsystems und in die Klimaziele investieren. Die Fahrgäste werden es ihr danken.“

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Da sich beide Seiten nicht zu Konzessionen bereit sehen und die GDL, wie zuvor schon signalisiert, nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren möchte und auch zu keiner Schlichtung bereit ist, dürfte der derzeitige Kurs damit weiter auf Streik stehen. Wie schon zuvor dürfte die GDL diese nur wenige Tage vor Beginn des Streiks ankündigen.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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