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IHA-Chef beschreibt „kafkaeske Züge“ beim Vorgehen der Regierung und fordert Re-Start-Chance für die Hotelbranche

| von Michael Sprick

Der IHA-Chef kritisiert das Vorgehen der Bundesregierung bei der Schließung des Gastgewerbes. Die Situation sei kafkaesk. Er fordert eine Re-Start-Strategie mit Schnelltests.


IHA Chef: Beschreibt Kafkaeske Züge beim Vorgehen der Regierung und fordert Re Start Chance für die Hotelbranche

Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverband Deutschlands (IHA),  hat in einem Blogpost das Vorgehen von Bund und Ländern bei der Schließung des Gastgewerbes kritisiert. Der Blogpost schildert die aktuelle Situation, in der sich die Hotelbranche entgegen der Evidenz befindet und unterstreicht noch einmal die Forderungen nach einer Re-Start-Strategie an die Regierung.

Die Situation bis zum Oktober

Luthe weist in seinem Blogpost auf die Situation im Oktober hin. Die Zahlen deuteten bis zu diesem Zeitraum nicht darauf hin, dass Hotels Infektionstreiber sind. “Der tägliche Situationsbericht des Robert Koch-Instituts listet Hotels seit dem erstmaligen Ausweisen der Infektionsumfelder im Sommer 2020 kontinuierlich an der untersten Schwelle der statistischen Nachweisbarkeit aus. “

Dies relativiere sich auch nicht durch den Umstand, dass “die Gesundheitsämter in mehr als 80 Prozent der Fälle nicht (mehr) in der Lage sind, das Infektionsumfeld überhaupt zu ermitteln”. Laut Luthe sei es unwahrscheinlich, dass sich Infizierte ausgerechnet an Hotels als mögliche Infektionsorte nicht mehr erinnern könnten. Zudem diese durch die Meldepflicht ein “lückenloses Tracing” ermöglichten.

Entgegen dieser Evidenz und ohne anders lautende wissenschaftliche Grundlage hatte die Regierung im Oktober dennoch entschieden, dass Hotels zunächst geschlossen werden müssen.

„Kafkaesk“ – das wissenschaftliche & evidenzbasierte Vorgehen der Regierung

Im November hat das Robert-Koch-Institut dann eine Studie angelegt, die endlich Aufschluss liefern sollte, in welchen Situationen erhöhte Infektionsrisiken bestehen. Sie wird im Frühjahr 2021 erwartet. Für das Gastgewerbe wird die Studie jedoch nur begrenzte Aussagefähigkeiten. Da die Studie aber nach der Schließung der Hotelbranche erst startete, sind Hotels und Unterkünfte von der Studie ausgeschlossen. In eigenen Worten beschrieb das RKI die Aussagefähigkeit auf Nachfrage der IHA folgendermaßen:

„Für die Studie gibt es noch keine Ergebnisse oder Zwischenergebnisse. … Aussagen darüber, ob Hotelaufenthalte mit einem erhöhten Covid-Infektionsrisiko verbunden sind, werden nur gemacht werden können, wenn Hotelaufenthalte während der weiteren Laufzeit der Studie auch wieder in nennenswertem Umfang möglich sein werden.

Nach aktuellem Stand hält die Regierung das Gastgewerbe also geschlossen, obwohl die Evidenz aus dem Zeitraum vor Oktober diesnicht untermauert. Die Ansicht, dass die Branche stark zu den Infektionszahlen beitrage, ist falsch. Dabei hält die Regierung die Branche nicht nur grundlos geschlossen, sondern stellt auch eine Öffnun mit niedriger Priorität hinten an. Für Luthe hat diese Situation „kafkaeske Züge“, da die Regierung erst handelt, wenn das RKI seinerseits belastbare Erkenntnisse liefert.

Es gibt, wie Luthe hinweist und erklärt, auch keine anderen Studien, die auf die Situation in Deutschland anwendbar sind. Abhilfe könnten hier die Schnelltests liefern, die bald in breiter Masse verfügbar sein werden. Sie könnten wie der Titel des Blogposts andeutetet „Wissen schaffen“.

Angesichts dieser Sachlage lautet die Losung der Gastbranche also die Sache mit Schnelltests selbst in die Hand zu nehmen und regelmäßig zu testen. Auf Twitter verbreitet sich die Forderung, diese Strategie umzusetzen unter dem Hashtag #TestenTestenTesten.

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Michael Sprick
Autor: Michael Sprick

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.