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Mallorca: Skandal um Ökosteuer – Halbe Million für Konzert ausgegeben

| von Michael Sprick

Auf den Balearen versetzt die Finanzierung eines Konzerts mit mehr als einer halben Million Euro aus Einnahmen der Ökosteuer Hotel-Branche und Bewohner in Aufregung.


Mallorca: Skandal um Ökosteuer auf Halbe Million für Konzert ausgegeben
Kathedrale von Palma de Mallorca. Bildnachweis: Unsplash / Yves Alarie

Vergangenen Freitag fand ein Konzert auf den Balearen statt, wobei an die Öffentlichkeit geriet, dass die Finanzierung von 580.000 Euro aus der Ökosteuer stammt. Nicht nur die Hotel-Branche, sondern auch Umweltschützer versetzt diese Meldung auf den Balearen derzeit in Aufruhr. Darüber berichtet das spanische Reisenachrichten-Portal Preferente.

580.000 Euro flossen in Veranstaltung eines Konzerts

Schon seit Juli 2016 gibt es auf den Balearen eine Ökosteuer. Die Hotels schlagen diese als Gebühr auf ihre Preise für Touristen auf und führern sie an die Behörden ab. Die Steuer ist eigentlich dazu gedacht, Umweltschutzprojekte zu finanzieren. Vor allem für Umweltschäden, die der Massentourismus auf den Balearen verursacht.

Am vergangenen Freitag fand in Palma die Gala „Los 40 Principales“ statt. Die Balearenregierung steuerte für diese 580.000 Euro aus Mitteln der Steuer für nachhaltigen Tourismus bei. Laut dem Minister für Wirtschaft und Tourismus, Iago Negueruela, ist dieses Sponsoring eine Maßnahme, um Werbung für die Balearen als Tourismus-Ziel zu machen. Die Gala sei daher ein Teil der Strategie, die Balearen als touristisches Ziel in den Wintermonaten zu fördern. Sie trage zur Wiederbelebung der Wirtschaft beizutragen.

Starke Kritik aus der Hotel-Branche

Die Preferente nennt diese Aussage „keine überzeugende Erklärung für die Verwendung von 580.000 Euro Ökosteuergeldern“. Kritik gibt es neben Umweltschützern vor allem auch aus der Hotel-Branche, die diese Steuer abführt. Wie sinnvoll das Konzert für das Tourimus-Marketing erschließt sich für Nicht-Spanier vermutlich nicht. Headliner sind Künstler und Bands wie „Rosalía, Rauw Alejandro, Aitana und Pablo Alborán“. Namen, mit denen vermutlich die wenigsten über Spanien hinaus etwas anfangen können.

Der Präsident des Verbandes der kleinen und mittleren Hotels auf Mallorca (PIMEM), Juan Manuel Ordinas, kommt dazu bei Hosteltur zu Wort. Er bedauere, dass die Ökosteuer von den Hotelgästen auf Mallorca erhoben wird, damit die Mallorquiner „tanzen gehen“ können. Zusätzlich verschlimmert, wird die Sachlage noch dadurch, dass für die Veranstaltung offenbar eine Firma beauftragt wurde, die nicht von den Balearen ist.

Ordinas sagte, dass die Entscheidung der Regierung „eine Bremse für die Glaubwürdigkeit dieser Steuer“ sei. Er wies auch darauf hin, dass die Notlage der Insel, die das Ausbleiben der Touristen im Rahmen der Pandemie verursacht hat, besonders schwerwiegend ist.

Ökosteuer soll im nächsten Haushaltsplan Corona-Löcher stopfen

Durch die Corona-Krise ist die Bindung der Verwendung des Geldes aus der „Ecotasa“ für nachhaltige Projekte ab 2022 aufgehoben. Dadurch hat die Regierung der Balearen unter Präsidentin, Francina Armengol, völlige Narrenfreiheit bei der Verwendung des Geldes. Mit dem nun in den Medien sehr hitzig diskutierten Skandal dürfte die Regierung etwas vorsichtiger in der Auswahl ihrer Ausgaben sein.

Preferente weist jedoch auch daraufhin, dass das Konzert der „Los 40 Principales“ war nicht der einzige Skandal im Zusammenhang mit der Ökosteuer war: „Im Juni bestätigte die Nationale Kommission für Märkte und Wettbewerb die Manipulation einer Studie über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Ökosteuer und deckte Gespräche zwischen Unternehmen auf, die sich um den Bericht beworben hatten.“

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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