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Notre-Dame de Paris soll sich modernisieren

| von Michael Sprick

Die Notre-Dame von Paris soll sich modernisieren. Lichtinstallationen und moderne Kunst sollen klassische Einrichtungsgegensätnde ersetzen. Der Telegraph sieht ein "politisch korrektes Disneyland" entstehen.


Notre Dame de Paris soll sich modernisieren
Notre-Dame. Bildnachweis: Unsplash / Sebastien

Die Kathedrale Notre-Dame de Paris, die 2019 durch einen Brand teilweise zerstört wurde, soll neu gestaltet werden, doch das Projekt ruft Kritik hervor. Darüber berichtet der Telegraph.

Pläne zur Modernisierung der Inneneinrichtung

Von außen steht seit längerer Zeit fest, dass die Notre-Dame weitestgehend in ihrer alten Gestalt wieder erstehen soll. Nun ist jedoch der Öffentlichkeit der Plan für die Innengestaltung bekannt geworden. Die Kathedrale soll eine deutliche Modernisierung erleben.

Auf dem Programm stehen: Lichtinstallationen auf Gesichtshöhe, Rollbänke mit Leuchtkörpern als Ersatz für die alten, jahrhundertealten Stühle und Bänke. Sie sollen stattdessen in die Krypta hinabgelassen werden. Mehr zeitgenössische Kunst soll in der Kathedrale Platz finden. An die Wände sollen zudem biblische Sätze in mehreren Sprachen projiziert werden, wie Pater Gilles Drouin erklärt.

Kritiker sehen ein „politisch korrektes Disneyland“ entstehen

Am 9. Dezember überprüft die Commission Nationale du Patrimoine et de l’Architecture (CNPA) das Projekt. Im Vorfeld haben viele Traditionalisten bereits ihre Sorge geäußert. Auch Der Telegraph sieht in der Renovierung die Möglichkeit, dass ein „politisch korrektes Disneyland“ entsteht. Ein Verweis auf die Worte Maurice Culots, eines berühmten Pariser Architekten.

„Es ist, als würde Disney Notre-Dame betreten“, erklärte Culot. „Was sie mit Notre-Dame vorhaben, würde man niemals mit der Westminster Abbey oder dem Petersdom in Rom machen. Es ist eine Art Themenpark und angesichts der Größe des Ortes sehr kindisch und trivial“, sagte er dem Telegraph.

Klassische Einrichtung soll modernen Installationen und Gegenständen weichen

Anders sehen das natürlich die Verantwortlichen für das Projekt. „Die Kirche kann sich modern zeigen, indem sie ein spirituelleres Licht hereinlässt, anstatt ein Streiflicht auf die Gesichter zu werfen“, kommentierte der Moderator Stéphane Bern, den der französische Präsident Emmanuel Macron mit der Mission zur Erhaltung des Kulturerbes betraut hat.

Die vorgeschlagenen Änderungen sehen vor, dass Beichtstühle, Altäre und klassische Skulpturen durch moderne Wandmalereien sowie neue Klang- und Lichteffekte ersetzt werden, um „emotionale Räume“ zu schaffen. Die klassische und teils liturgische Einrichtung soll Berns Plan nach stattdessen in einem Museum Platz finden.

Für ihn ist das Projekt „Notre-Dame-Museum“ die „wahre Herausforderung“. „Wir müssen aus den Schätzen von Notre-Dame ein Museum der französischen Geschichte für die ganze Welt machen“, sagte er. Er beklagte daher das Schicksal des Hôtel-Dieu, des ältesten Krankenhauses von Paris, das direkt neben der Kathedrale liegt. Es hätte seiner Meinung nach das Museum beherbergen können, muss aber ein Drittel seiner Fläche an einen Immobilienentwickler abtreten.

Notre-Dame soll auch Andersgläubige willkommen heißen

Pater Drouin, Leiter des Institut Supérieur de Liturgie, verteidigt das Projekt ebenfalls. Er dementiert die Vorwürfe einer radikalen Umgestaltung: Sein Ziel sei es, Notre-Dame als „Ort der Anbetung“ zu erhalten und die Öffentlichkeit, die „nicht immer eine christliche Kultur hat“, „besser zu empfangen“ und zu informieren.

Wenn sie Notre-Dame im Jahr 2024 wiedersehen, sollen die Gläubigen und Besucher aus aller Welt nach dem bisherigen Zeitplan für die Bauarbeiten durch das große zentrale Tor und nicht mehr durch die Seitentüren eintreten und von einem luftigen Rundgang um die zentrale Achse vom Kirchenschiff zum Chor profitieren.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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