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Olympische Winter-Spiele in Peking – ohne internationale Fans

| von Michael Sprick

Peking öffnet die Olympischen Winterspiele im nächsten Jahr für Fans - aber nur, wenn sie in China leben.


Olympische Winter Spiele in Peking ohne internationale Fans
Verbotene Stadt in Peking. Bildnachweis: Unsplash / Ling Tang

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) teilte gestern mit, dass die Olympischen Winterspiele in Peking im nächsten Jahr aufgrund der COVID-19-Pandemie ohne Zuschauer aus dem Ausland stattfinden werden. Demnach dürfen und nur chinesische Fans bzw. internationale Fans, die dauerhaft in China wohnen, als Zuschauer teilnehmen.

No-Covid-Strategie wird auch bei Olympischen Spielen durchgesetzt

Es ist der erste Einblick in die Organisation des Landes. Die Ansage erfolgt damit schon frühzeitig, denn die Olympischen Spiele 2022 in Peking sind für den 4. bis 20. Februar geplant. China setzte in der Pandemie von Anfang an auf eine No-Covid-Strategie. Diese wollen die Verantwortlichen daher auch auf die Olympischen Spiele übertragen. Daher wird das Land auch keine Ausnahme bei ungeimpften Sportlern machen.

Das IOC teilte mit, dass nur vollständig geimpfte Teilnehmer von der 21-tägigen Quarantäne befreit werden. Athleten, die eine „begründete medizinische Ausnahme“ vorweisen können, würden aber berücksichtigt werden.

Olympia-Blase kommt erneut zum Einsatz

Es gilt allerdings auch eine strenge Quarantäne, die alle Teilnehmer von der Außenwelt abschirmen soll. Diese erstreckt sich auf die Bereiche rund um die Spiele, Stadien, die Unterkünfte, das Catering und die Eröffnungs- und Abschlussfeier. Die Sportler sollen dabei möglichst wenig Kontakt zu Organisatoren, Hilfskräften, sonstigem Personal und den Fans haben. Ähnlich gingen die Organisatoren auch schon in Tokio vor.

Alle in- und ausländischen Teilnehmer der Spiele und die Mitarbeiter in der Blase, die als „geschlossenes Managementsystem“ bezeichnet wird, werden zudem täglich getestet.

Die vom IOC angekündigten Entscheidungen sind ein Vorgeschmack auf ein Maßnahmenpaket, das im Oktober veröffentlicht werden soll. Sie sind eine Umsetzung der Regeln, die der chinesische Staat vorgegeben hat. Sie sollen verhindern, dass die Spiele zu einem Infektionsherd werden. Damit wollen die Organisatoren Kritik wie in Tokio bei den vergangenen Sommerspielen frühzeitig verhindern.

Japans Herangehensweise sorgte für Unmut – vor allem bei der eigenen Bevölkerung

Bei den Sommer-Spielen 2020 in Tokio, die diesen vergangenen Sommer stattfanden, hat Japan die Zuschauer von fast allen Austragungsorten verbannt. Die Spiele in Japan fanden aufgrund der Pandemie ein Jahr später statt. Dabei schienen die Behörden und das IOC sich lange nicht einig zu sein, ob die Spiele mit oder ohne Fans stattfinden konnten. Schließlich entschied sich Japan dazu, Fans von den Spielen weitestgehend auszuschließen – auch einheimische Fans.

Dennoch trat noch während der Spiele Kritik auf, dass die olympischen Spiele zu den Infektionen beigetragen und das Land zurückgeworfen hätten. Tatsächlich stiegen die Infektionszahlen im Zeitraum der Spiele stark an. Am 23. Juli begannen die Spiele und Japan wies eine 7-Tage-Inzidenz von 21,3 auf. Nach den Spielen am 8. August lag die Inzidenz bei 71,9. Allerdings handelt es sich hierbei um die landesweite Inzidenz. Doch auch in Tokio selbst verschlimmerte sich die Lage dermaßen, dass die Regierung den Ausnahmezustand verhängte.

China zieht Lehren aus Tokio 2020

Es ist umstritten, ob die Olympischen Spiele tatsächlich ein Infektionstreiber waren. Tatsächlich hat die japanische Bevölkerung die Spiele aber aufgrund der Pandemie weitestgehend abgelehnt. Auch da das Stattfinden der Spiele bei gleichzeitigem Lockdown für die meisten unverhältnismäßig erschien.

Aus den Fehlern in Japan will man offensichtlich nun frühzeitig die Lehren ziehen und macht von vornherein klar, dass sie nur für einheimische Fans zugänglich sein werden. Sicherlich wird dies aber auch Fragen aufwerfen, ob die ausschließliche Unterstützung der einheimischen Fans nicht ein indirekter Vorteil für die chinesischen Wettbewerber sind.

Spiele stehen unter starker Kritik bezüglich der Menschenrechtssituation in China

Abgesehen von den Herausforderungen, die die Pandemie mit sich bringt, stehen die Spiele in Peking auch unter starkem politischen Druck.
Sie entwickeln sich zu den umstrittensten Olympischen Spielen der letzten Jahre, da die Rufe nach einem diplomatischen Boykott wegen Pekings angeblicher Menschenrechtsverletzungen in der westlichen Region Xinjiang lauter werden.

Nach Angaben des US-Außenministeriums sollen bis zu 2 Millionen Uiguren und andere muslimische Minderheiten in einem ausgedehnten Netz von Haftzentren untergebracht sein. China hat die Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen wiederholt bestritten und erklärt, die Zentren seien notwendig, um religiösen Extremismus und Terrorismus zu verhindern.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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