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Travel Trouble

Rassismus an Bord – easyJet tauschte Flugbegleiterinnen nach Vorfall aus

| von Michael Sprick

Nachdem Flugbegleiterinnen zwei schwarze Passagiere wegen negativen Äußerungen und dem Ausziehen von Schuhen an Bord entfernen wollten, mussten sie am Ende selbst das Flugzeug verlassen.


Rassismus an Bord easyJet tauschte Flugbegleiterinnen nach Vorfall aus
Zwischen Urlaubsstimmung und blanken Nerven - voll besetzte Sitzreihen im Flugzeug. Bildnachweis: Unsplash / Suhyeon Choi

Bei einem easyJet Flug zwischen London Gatwick und Malaga am vergangenen Donnerstag soll es zu einem rassistischen Vorfall gekommen sein. Das geht aus einem Bericht von View from the Wing hervor.

Vorfall begann harmlos

Dem Bericht nach sollen den Flugbegleiterinnen von easyJet aufgefallen sein, dass zwei Passagiere an Bord ihre Schuhe ausgezogen hatten. Das ist zunächst einmal einen Hinweis wert, da bei Abflug nicht die Möglichkeit bestehen darf, das Gegenstände durch das Flugzeug schleudern.

Nachdem eine Flugbegleiterin sie darauf hingewiesen hat, dass sie die Schuhe anziehen sollten, haben diese auf eine Weise reagiert, den der Bericht als „huff“ bezeichnet. Es bedeutet „sich ärgern“, „wütend werden“ oder „grollen“. Offensichtlich richtete sich diese Verärgerung gegen die Flugbegleiterin, was aber genau gesagt wurde, geht aus dem Bericht nicht hervor. Es schien sich aber nicht um eine Überreaktion gehandelt zu haben.

Flugbegleiterinnen wollten Passagiere vom Flug ausschließen

Die Flugbegleiterinnen wollten darauf hin jedoch die beiden Passagiere vom Flug ausschließen. Das Flugzeug setzte zum Gate zurück und die Polizei sowie offenbar eine Leiterin des Flughafens kamen hinzu. Den Moment der Konfliktlösung hält ein Video auf Twitter fest.

Auf diesem ist deutlich zu sehen, wie die übrigen Passagiere die Entfernung der beiden Passagiere für deutlich übertrieben halten. Als einer der betroffenen Passagiere schon bereitwillig nach seinem Gepäck greift, schreiten die übrigen Passagiere ein. Man hört die Aussagen „Nein“, „Steig nicht aus“ und „Setz dich“.

Währenddessen erhält die Flugbegleiterin Anweisungen von der Leiterin und zieht sich zurück, womit das Video endet. Am Ende sollen die Flugbegleiterinnen ausgetauscht worden sein. Ein Prozess, der zu insgesamt 2 Stunden Verzögerung geführt habe.

Vor Abflug soll der Pilot noch einmal gemahnt haben: „Wer jetzt nicht zuhört, wenn die neue Mannschaft kommt, wird entfernt und verhaftet.“

Stellungnahme von easyJet

Es gibt auch eine offizielle Stellungnahme von easyJet zu dem Vorfall. Die Fluggesellschaft sieht kein diskriminierendes Verhalten bei ihren Mitarbeiterinnen:

„EasyJet diskriminiert niemanden. Sicherheit hat für uns höchste Priorität, und nichts deutet darauf hin, dass Diskriminierung bei dem Problem an Bord eine Rolle gespielt hat.

Unsere Besatzung ist in erster Linie für die Sicherheit aller Passagiere an Bord verantwortlich.

Unsere Besatzung muss sicherstellen, dass die Sicherheitsvorschriften von allen Passagieren eingehalten werden, und sie muss sich vor dem Start vergewissern, dass alle Passagiere diese Vorschriften einhalten.

Dies ist besonders wichtig für Passagiere in den Notausgangsreihen, wo die Besatzung sicherstellt, dass während des Starts keine losen Gegenstände an Bord sind.“

Offensichtlich weicht easyJet aber dem Knackpunkt aus. Nicht der Sicherheitshinweis, die Schuhe anzuziehen, war der Drehpunkt dieses Vorfalls, sondern der sofortige Ausschluss vom Flug, nachdem offenbar eine negative Äußerung gefallen war.

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Ganz egal, wie man den Vorfall bewertet, ob als rassistische Handlung oder einfach als Folge von blanken Nerven, am Ende des Tages dürften alle Beteiligten den Tag als einen schlechten verbucht haben. Wenn ihr gerne ähnliche Geschichten lesen wollt, findet ihr in unserer Kategorie „Travel Trouble“ noch mehr.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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