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Ryanair ändert Haltung zum umgeleiteten Flug nach Minsk

| von Michael Sprick

Ryanair hat sich in zwei Pressemitteilungen zum umgeleiteten Flug nach Minsk geäußert. In der zweiten Meldung äußert sich die Fluglinie völlig anders zum Vorfall.


Ryanair ändert Haltung zum umgeleiteten Flug nach Minsk

Gestern, am 23. Mai zwang Weißrussland einen Ryanair-Flug zwischen Athen, Griechenland, und Vilnius, Litauen, zur Umleitung nach Minsk um einen regimekritischen Journalisten und seine Ehefrau zu verhaften. Ryanair sah sich gezwungen, eine zweite Stellungnahme zu veröffentlichen, nachdem ihre erste Erklärung bei Journalisten, Passagieren und in den sozialen Medien stark nach hinten losgegangen war.

Erstes Statement berichtet von „potentieller Sicherheitsbedrohung“

Die anfängliche Erklärung von Ryanair erklärte das eigentliche Geschehen anders als es vorgefallen war. Der Grund für die Zwischenlandung in Minsk sei eine „mögliche Sicherheitsbedrohung“. Dass damit der Journalist und Regierungskritiker Roman Protasewitsch und seine Reisebegleiterin gemeint waren, ging aus dem Bericht nicht hervor.

Ursprünglich schrieb die irische Fluggesellschaft, dass der Flug zum nächstgelegenen Flughafen umgeleitet wurde. Nach Daten von flightradar24 ist diese Aussage falsch, da Vilnius der nächstgelegene internationale Flughafen war. In der Pressemitteilung hieß es, dass nichts Ungewöhnliches aufzufinden war und die Behörden dem Flugzeug die Freigabe erteilten, wieder nach Vilnius, Litauen, abzufliegen.

Journalisten und Politiker reagieren mit starker Kritik

Da der Vorfall wenige Stunden später in den internationalen Medien bekannt wurde, äußerten sich auch bekannte Journalisten und Politiker zu dem Vorfall. Teilweise werfen sie Ryanair in den Kommentaren sogar Mithilfe vor:

Es ist dabei unklar, weshalb Ryanair den Vorfall zunächst so beschrieb. Wahrscheinlich ist, dass das Pressebüro nicht alle Informationen über die Geschehnisse hatte. Heute veröffentliche Ryanair jedoch ein Update zu dem Vorfall:

In der neuen Mitteilung verurteilt Ryanair den Vorfall als „Luftfahrt-Piraterie“. Die Airline wiest jedoch auch daraufhin, dass sie sich aus Sicherheitsgründennicht weiter zu dem Vorfall äußern kann. Die EU, Sicherheitsbehörden und die Nato würden den Fall jetzt bearbeiten.

Offizielle Statements zum Vorfall

Auch Ryanair-CEO Michael O’Leary äußerte sich heute zu dem Thema. Er verriet, dass einige Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes an Bord des Fluges waren, der einen erzwungenen Zwischenstopp in Weißrussland machen sollte: „Es scheint, dass die Behörden beabsichtigten, einen Journalisten und seinen Reisebegleiter zu entfernen. Wir glauben, dass auch einige Agenten des russischen Geheimdienstes am Flughafen von Bord gegangen sind“, sagte O’Leary im irischen Rundfunk. Er nannte die Aktion außerdem eine „staatlich gesponserte Entführung“.

Auch Außenminister Heiko Maas äußerte sich bereits zu dem Vorfall

„Dass ein Flug zwischen zwei EU-Staaten unter dem Vorwand einer Bombendrohung zur Zwischenlandung gezwungen wurde, ist ein gravierender Eingriff in den zivilen Luftverkehr in Europa. Wir sind sehr besorgt über Meldungen, dass auf diesem Weg der Journalist Roman Protasewitsch verhaftet wurde. Ein solcher Akt kann nicht ohne deutliche Konsequenzen von Seiten der Europäischen Union bleiben. Wir stehen dazu in engem Austausch mit den betroffenen EU-Partnern. Auch der bevorstehende informelle Europäische Rat sollte sich mit dem Vorfall befassen. In jedem Fall muss Belarus die Sicherheit, Unversehrtheit und Freiheit aller Passagiere unverzüglich gewährleisten und Roman Protasewitsch freilassen.“

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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