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Ryanair verbietet Kunden mit „Fake-Boardingpässen“ von Kiwi.com Zutritt zu Flugzeugen

| von Michael Sprick

Ryanair verwehrt Passagieren, die über das tschechische Online-Reisebüro Kiwi.com Tickets buchen. Es ist die jüngste Eskalation eines Streits, den Ryanair seit etwa einem Jahr mit Drittanbietern führt.


Ryanair verbietet Kunden mit "Fake Boardingpässen" von Kiwi.com Zutritt zu Flugzeugen
Boarding bei Ryanair. Bildnachweis: Unsplash / Marty Sakin

Der Verkauf von Flügen direkt an den Kunden ist seit den Anfängen von Ryanair Teil der Unternehmensstrategie, Kosten so gering wie möglich zu halten. Die Einsparungen der mit Reisebüros verbundenen Provisionskosten sollten an den Kunden weitergegeben werden.

Seit etwa einem Jahr besinnt sich Ryanair auf diese Strategie zurück und führt daher einen regelrechten Kampf gegen dritte Buchungsportale und bezichtigt diese in aller Öffentlichkeit sogar des Betruges. Das ist nun mit Kiwi.com auch bei einer größeren bekannten Buchungsplattform der Fall.

Ryanair nennt Boardingpässe von Kiwi.com „Fake“

Nach Ansicht der Fluggesellschaft umgeht Kiwi.com die Luftfahrtvorschriften, indem es den Fluggästen die Bordkarten direkt zur Verfügung stellt. Im Presseportal bezeichnet die Airline die Boardingpässe sogar als „Fake“.

Die Fluggesellschaft beruft sich auf die EU-Verordnung 2015/1998. Diese regelt die „Durchführung der gemeinsamen Grundstandards für die Luftsicherheit“ in der EU. Aus Abschnitten wie Anlage 4-C (5.2.1) nimmt Ryanair sich das Recht heraus, die Abfertigung vor dem Boarding selbst zu regeln. Damit wäre auch die Boarding-Karte erst nach diesem Prozess auszuhändigen.

Der Abschnitt lautet in der Durchführungsverordnung der EU 2015/1998:

„Das Luftfahrtunternehmen stellt sicher, dass die Fluggäste vor Abschluss der Abfertigung über das Verbot des Mitführens der in Anlage 4-C aufgeführten Gegenstände unterrichtet werden.“

Ryanair argumentiert, dass es nicht sicherstellen kann, dass die Passagiere entsprechend informiert sind, wenn Kiwi.com den Check-in-Prozess schon zuvor abschließt. Die Fluggesellschaft erklärt:

„Kiwi.com umgeht diese grundlegenden Luftfahrtbestimmungen, indem sie ihre eigenen Bordkarten ausstellt, die auf Ryanair-Flügen nicht gültig sind.“

Ryanair schließt Kiwi.com-Passagiere mit „Fake“-Bordingpässen von Flügen aus

Laut dem Buchungsprozess auf Kiwi.com bietet die Website tatsächlich eine Funktion, mit der Fluggäste automatisch für Flüge eingecheckt werden. Der kostenlose Dienst sendet dann die erstellte Bordkarte an den Fluggast. Einem Bericht zufolge sollen die Boardingpässe exakt die gleichen Informationen enthalten wie die von Ryanair. Jedoch seien diese im Branding von Kiwi.com in grün und gelb gehalten.

Ryanair fügte hinzu, dass Kiwi.com nicht befugt sei, seine Flüge zu verkaufen oder Bordkarten auszustellen. Dara Brady, Marketing Director der Fluggesellschaft, kommentierte die Entscheidung,

„Wir wurden auf diese gefälschten Bordkarten aufmerksam, als eine kleine Anzahl von Passagieren, die ihre Flüge über Kiwi.com gebucht hatten, letzte Woche ohne offizielle Ryanair-Bordkarten am Flugsteig ankamen… Jedem Passagier, der eine Kiwi.com-Bordkarte vorlegt, wird das Boarding auf Ryanair-Flügen verweigert.“

Gegendarstellung von Kiwi.com

Laut Breaking Travel News hat auch Kiwi.com auf die Vorwürfe reagiert. In einem Statement soll das Unternehmen folgende Aussage gemacht haben:

„Es gibt keine ‚gefälschte‘ Bordkarte – Kiwi.com erfüllt alle Anforderungen, um unseren Kunden sicheres Reisen zu gewährleisten, und tut dies seit Jahren.

„Wir stellen unseren Kunden nicht nur die Ryanair-Bordkarte zur Verfügung, sondern haben sie auch auf einem Hintergrund mit dem Logo von Kiwi.com platziert – alle Informationen sind dieselben, nur die Farben sind anders.“

Desweiteren nannte die tschechische Buchungsplattform Ryanair’s Entscheidung kleinlich und die Praxis, Kiwi-Kunden das Boarding zu verweigern sogar als „bösartig“.

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Der Vorfall ist nicht die erste Auseinandersetzung zwischen den beiden Unternehmen. Etwa vor einem Jahr begann Kiwi.com, „Mix and Match“ für Flüge anzubieten, wodurch Kunden die für sie günstigsten Flugrouten zwischen verschedenen Fluggesellschaften zusammenstellen konnten. Auch das missfiel der Geschäftsführung von Ryanair.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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