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Spanien scheint die Herdenimmunität erreicht zu haben

| von Michael Sprick

In Spanien gibt es kaum noch Beschränkungen. Trotzdem bleibt ein scharfer Anstieg der Infektionszahlen bislang aus - ein starkes Anzeichen für das erfolgreiche Erreichen der Herdenimmunität.


Spanien scheint die Herdenimmunität erreicht zu haben
Cordoba. Bildnachweis: Unsplash / Edgar Serrano

Die jüngste Infektionswelle in Europa versetzt die Welt wieder in Aufruhr. Einige Länder kehren wieder zum Lockdown zurück und scheinen damit den Fortschritt durch die Impfungen obsolet zu machen. Ein starkes Gegenbeispiel scheinen hierfür aber bislang Spanien sowie das Nachbarland Portugal zu sein.

Spanien bisher von stärkerer Infektionswelle verschont

In Deutschland sagen zurzeit immer mehr Weihnachtsmärkte ab. Kommunen und Veranstalter halten die Märkte teilweise sogar mit 2G-Regel nicht für tragbar. Die Niederlande führten einen Teil-Lockdown ein, während Österreich mit einem Lockdown für Ungeimpfte Premiere macht. Selbst Dänemark, das zeitweise die Maßnahmen komplett abgeschafft hatte, führt nun wieder Beschränkungen ein. Der derzeitige Verlauf der Pandemie erinnert dabei wieder stark an die Entwicklungen aus dem Jahr 2020. Doch an Spanien scheint die neue Infektionswelle noch nicht wirklich angekommen zu sein.

Die Restaurants und Bars haben, wie in Spanien üblich, noch bis spät in die Nacht geöffnet. In Clubs und auf Partys im Freien tanzen die Menschen wieder ungehemmt. Das ganze läuft zudem ab, ohne dass einer nach dem Impfpass fragt. Die Einführung einer 2G- oder 3G-Regelung spielt in der Öffentlichkeit bislang keine große Rolle. Laut Corona-in-Zahlen.de liegt die 7-Tage-Inzidenz in Spanien bei 66,8 – in Portugal bei 124,3. Verglichen mit Deutschland (340,6), Österreich (976,6) und den Niederlanden mit (734,1) – (alle Zahlen am 19.11 abgerufen).

Spanien und Portugal haben die höchsten Impfquoten in Europa

Bislang scheinen die hohen Impfquoten Erfolg zu zeigen. Die Impfquote der Gesamtbevölkerung liegt in Spanien bei 80,2 Prozent, in Portugal ist sie dagegen noch höher und beträgt 87,8 Prozent. Beide Länder haben stringent auch Minderjährige früh geimpft und haben u.a. deshalb nun eine höhere Impfrate erreicht. Die beiden Länder haben somit die höchsten Impfraten in Europa. Nur Mikro-Länder wie Gibraltar, Malta und Island haben noch höhere Impfquoten.

In den oben genannten mitteleuropäischen Ländern liegt die vollständige Impfquote unterhalb der iberischen Impfraten – mit 67,9 Prozent (Deutschland), 63,9 Prozent (Österreich) und 73,5 Prozent (Niederlande).

Dennoch war auch in Spanien und Portugal die Tendenz zuletzt steigend. Das wärmere Klima und die damit bedingte Saisonalität des Virus dürften ebenfalls eine hemmende Wirkung auf die Infektionsrate gehabt haben. Gut möglich also, dass der Anstieg lediglich versetzt auftritt, wenn die Temperaturen im Verlaufe des Winters auch auf der iberischen Halbinsel stärker fallen.

Auch der Vergleich mit anderen mediterranen Ländern spricht für die Wirkung der Impfung bei hohen Impfquoten

Doch vergleicht man die Inzidenz der iberischen Länder mit der anderer mediterraner Länder wie Italien (96,8) und Griechenland (444) liegen die Werte dieser Länder bei beiden über der spanischen Inzidenz. Zumindest in Italien liegt sie jedoch unter der portugiesischen Inzidenz, obwohl die Rate der vollständigen Impfungen mit 72,8 Prozent ganze 15 Prozentpunkte unter der portugiesischen Impfrate liegt.

Griechenlands Impfquote liegt jedoch deutlich unterhalb aller anderen hier genannten Länder mit 62,6 Prozent. Als deutlicher Ausreißer dürfte dies ein Beleg für die fehlende Herdenimmunität in Griechenland sein.

Spanien hat Herdenimmunität erreicht – „einzige plausible Erklärung“

Viele Gesundheitsexperten deuten daher auf die iberischen Impfkampagnen als Beispiel für das erfolgreiche Erreichen der Herdenimmunität. So geht ein Artikel im Lancet der Frage nach, ob Spanien die Herdenimmunität erreicht hat. Darin kommt der Leiter
für Infektionskrankheiten am Krankenhaus Virgen de
la Macarena in Sevilla, Jesús Rodríguez Baño, zu Wort:

„Die Situation in Spanien könnte einige Hinweise [auf eine Herdenimmunität] liefern: nach der Aufhebung
der meisten Kontrollmaßnahmen in der Bevölkerung
ist die Infektionsrate (und insbesondere die Zahl der Krankenhauseinweisungen) zurückgegangen, und das
ist das Gegenteil von dem, was in früheren Wellen passiert ist. Die einzige plausible Erklärung ist die sehr hohe Impfung im Land.“

Dennoch empfiehlt auch der Autor des Lancet-Artikels, dass die Spanier besser Vorsicht walten lassen sollten:

„Die medizinische Gemeinschaft bleibt vorsichtig und möchte, dass einige Kontrollmaßnahmen Maßnahmen wieder eingeführt werden, wie
Gesichtsmasken in geschlossenen Räumen und die Rückkehr zu
Arbeit von zu Hause aus, wenn möglich.“

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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