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Streik beendet – Deutsche Bahn und GDL einigen sich im Tarifstreit

| von Michael Sprick

Im Tarifkonflikt sind die beiden Parteien der Deutschen Bahn und der GDL zu einer Einigung gekommen, die für beide Seiten zufriedenstellend ist.


Streik beendet Deutsche Bahn und GDL einigen sich im Tarifstreit
Triebfahrzeugführer des DB Fernverkehr in einem Intercity 2. Bildnachweis: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang

Die Deutsche Bahn (DB) und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sind im Tarifstreit zu einer Einigung gekommen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin haben der DB Personalvorstandschef, Martin Seiler, und der Chef der GDL, Claus Weselsky den Tarifstreit offiziell für beendet erklärt und ihre Einigung vorgestellt.

Weselsky zeigte sich mit der Einigung zufrieden: „Wir haben am Ende des Tages ein Paket geschmiedet, das aus Sicht der GDL das ist, was unsere Eisenbahnerinnen und Eisenbahner verdient haben.“

Tarifeinheit gilt weiterhin

Mit dem Tarifabschluss einigten sich DB und GDL auf Regelungen, wie mit unterschiedlichen Tarifverträgen in den Betrieben des DB-Konzerns umgegangen wird. Das Tarifeinheitsgesetz kommt zur Anwendung.

Einen Kompromiss fanden DB und GDL bei dem strittigen Thema, in welchen Betrieben mit der GDL Tarifverträge abgeschlossen werden. Die GDL bleibt in ihren bisherigen Betrieben vertreten. Eine Ausdehnung darüber hinaus findet mit diesem Tarifabschluss nicht statt. In den bisherigen Betrieben kommen Berufsgruppen hinzu, z.B. Werkstattmitarbeitende. Die Tarifverträge der GDL kommen in ihren Mehrheitsbetrieben – heute 16 – zur Anwendung. GDL und Bahn haben sich außerdem darauf geeinigt, die Mehrheit der GDL in diesen Betrieben notariell bestätigen zu lassen.

Entgelterhöhung in zwei Stufen – Kompromiss bei der Laufzeit

Die Verständigung sieht eine Lohnerhöhung von 3,3 Prozent in zwei Schritten bei einer langen Laufzeit von 32 Monaten vor. Zum 1. Dezember 2021 sollen die Löhne um 1,5 Prozent, zum 1. März 2023 um weitere 1,8 Prozent steigen.

Die Lohnerhöhungen standen schon zuvor fest. Weselsky merkte während der Pressekonferenz an, dass sich schon anhand der Laufzeit erkennen lasse, „dass der Kompromiss für beide Seiten nicht ganz so einfach war“. Die GDL hatte seit Beginn der Arbeitskampfmaßnahmen eine Laufzeit von 28 Monaten gefordert. Auch bei ihrem letzten Angebot hatte die DB noch auf die Laufzeit von 36 Monaten bestanden, womit sich beide Seiten genau in der Mitte getroffen haben.

Außerdem wird eine weitere Corona-Prämie gezahlt: Zum 1. Dezember dieses Jahres erhalten die Beschäftigten je nach Lohngruppe 600 bzw. 400 Euro oder 300 Euro, zum 1. März 2022 weitere 400 Euro.

Betriebsrente – beide Seiten verbuchen Einigung als Erfolg

Als einen wichtigen Meilenstein bezeichnete Weselsky dagegen das Fortbestehen der betrieblichen Altersvorsorge für die GDL-Mitglieder. Diese ist im Zusatzversorgungsvertrag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner der GDL festgehalten und gilt auch noch für neue Mitglieder, die bis zum 31.12.2022 Mitglied der GDL werden. Bei der betrieblichen Altersvorsorge wird die DB demnach weiterhin 3,3 Prozent Arbeitgeber-Anteil in den Pensionsfonds einzahlen.

Allerdings bezeichnete auch die Bahn diesen Punkt als wichtigen Erfolg. Das Alt-System der Zusatz-Betriebsrente wird mit Ablauf des Jahres 2022 endgültig geschlossen und ab 2022 nur noch für Bestands-Mitarbeitende weitergeführt. Das sei für die Bahn eine deutliche bilanzielle Belastung.

Seiler appelliert nach Bahn-Streik – „wieder als Team DB“ agieren

Am Ende fand Personalchef Seiler auch wieder versöhnliche Worte und forderte die Gewerkschafter dazu auf, wieder „gemeinsam als Team DB zu agieren“. Er appellierte dabei an die gesellschaftliche Verantwortung, die die Deutsche Bahn im Rahmen der Verkehrswende trage:

„Ich will alle aufrufen, ihren Teil zum Betriebsfrieden beizutragen, … denn nur gemeinsam können wir die Aufgaben der Zukunft sichern und gemeinsam können wir auch unsere Zukunft gestalten“.

Sowohl GDL-Chef Weseslky als auch der DB-Personalvorstandschef Seiler bedankten sich bei den Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Stephan Weil (SPD) und Daniel Günther (CDU). Die beiden Ministerpräsidenten hatten vermittelnd im Tarifkonflikt agiert.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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