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Streik-Ende? – GDL prüft Angebot der Deutschen Bahn

| von Michael Sprick

Die Deutsche Bahn hat der GDL ein zweites verbessertes Angebot vorgelegt. Diese geht zum ersten Mal seit Beginn der Streikmaßnahmen zumindest auf das Angebot ein und überprüft die Konditionen.


Streik Ende? GDL prüft Angebot der Deutschen Bahn
IC und Regionalzug im Hamburger Hauptbahnhof. Bildnachweis: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang

Im Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat die Deutsche Bahn (DB) ein neues verbessertes Angebot vorgelegt. Die GDL ist zum ersten Maß seit Beginn der Arbeitskampfmaßnahmen auf das Angebot eingegangen, wie aus einer kurzen Meldung der Gewerkschaft hervorgeht.

GDL forderte Angebot bis zum Wochenbeginn

Vor der Vorlage des nun zweiten verbesserten Angebotes seit Beginn des Streiks hat die GDL Druck auf die Bahn ausgeübt. Am Donnerstag gab der Vorsitzende der GDL, Claus Weselsky folgende Forderunge bekannt:

„Wir hatten der Deutschen Bahn (DB) nach dem letzten Ausstand Zeit zum Nachdenken eingeräumt, doch mir scheint, dass der Bahnvorstand ein bisschen lange zum Überlegen braucht. Wenn nicht bis Anfang nächster Woche ein verhandlungsfähiges Angebot vorliegt, beginnt die GDL am kommenden Montag mit der Vorbereitung des nächsten Arbeitskampfes“.

Das zweite verbesserte Angebot der Bahn

Die Bahn ist dieser Forderung nach einem verbesserten Angebot am Samstag bereits gefolgt. Nun gibt sie an, dass sie im Interesse ihrer Kunden zu einer möglichst schnellen Einigung kommen will. Daher geht sie nach eigenen Angaben einen „weiteren, großen Schritt“ auf die GDL zu.

Aus dem Statement der Bahn liest sich das Angebot wie folgt:

„Neben der geforderten Lohnerhöhung von 3,2 Prozent und einer Corona-Prämie für 2021 bietet die DB eine zusätzliche Entgeltkomponente an. Der Konzern erklärt sich außerdem bereit, den Anwendungsbereich der GDL Tarifregelungen in den heutigen GDL Mehrheitsbetrieben zu überprüfen. Überdies sagt die DB zu, bis Ende 2020 erworbene Anwartschaften aus dem früheren Altersvorsorge-System uneingeschränkt zu erhalten.

Das Angebot enthält auch die geforderte Lohnerhöhung von 3,2 Prozent in zwei Schritten bei einer Laufzeit von 36 Monaten. Zum 1. Januar 2022 sollen die Löhne um 1,5 Prozent, zum 1. März 2023 um weitere 1,7 Prozent steigen. Außerdem soll noch in diesem Jahr eine Corona-Prämie gezahlt werden. Diese beträgt je nach Lohngruppe 600 bzw. 400 Euro. Teil des Angebots ist darüber hinaus eine betriebliche Altersvorsorge auf Spitzenniveau in der Branche.“

Diese Punkte hat die Bahn in ihrem Angebot nachgebessert

Die Lohnerhöhung um insgesamt 3,2 Prozent bei einer Laufzeit von 36 Monaten waren bereits Teil des letzten Angebots der Bahn. Auch die Corona-Prämie von 400 bzw. 600 Euro je nach Tarifgruppe ist Teil des letzten Angebots gewesen. Beide Konditionen hatte die GDL zuvor abgelehnt. Bei der Lohnerhöhung kritisiert die GDL die lange Laufzeit mit der Begründung, dass die Inflation die Lohnerhöhung bei längerer Laufzeit nivelliert. Die GDL selbst hatte zuvor eine Laufzeit von 28 Monaten gefordert. Die Corona-Prämie wurde als spaltend kritisiert, da sie die GDL-Mitglieder in zwei Klassen aufteilen würde.

Neu an dem Angebot sind dagegen die nicht näher beschriebene „zusätzliche Entgeltkomponente“. Auch das Angebot, „Ende 2020 erworbene Anwartschaften aus dem früheren Altersvorsorge-System uneingeschränkt zu erhalten“, war eine wichtige Forderung der GDL, auf die die Bahn zuvor nicht einging. Das Angebot, den Anwendungsbereich der GDL-Tarifregelungen in GDL Mehrheitsbetrieben zu überprüfen, dürfte die GDL ebenfallsdazu bewegt haben, das Angebot zumindest zu überprüfen.

DB-Personalvorstand Martin Seiler forderte GDL dazu auf, die Verhandlungen aufzunehmen, und drängte auf eine Lösung des Konflikts:

„Ein Tarifabschluss mit der GDL ist überfällig. Wir haben bereits in den vergangenen Wochen alles darangesetzt, diesen Tarifkonflikt schnellstmöglich zu lösen. Deutschland braucht einen verlässlichen Schienenverkehr. Und unsere Mitarbeitenden brauchen sichere Perspektiven. Daher fordern wir die GDL auf, jetzt in den Verhandlungsmodus zu wechseln und schnell zu einem Ergebnis zu kommen. Es liegen tragfähige Lösungen auf dem Tisch.“

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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