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SWISS kündigt Vertrag mit Pilotenverband Aeropers auf

| von Michael Sprick

SWISS und Aeropers sind nach mehreren Monaten Verhandlungen zu keiner Einigung beim Gesamtarbetisvertrag gekommen. Jetzt will SWISS den laufenden Vertrag kündigen.


SWISS kündigt Vertrag mit Pilotenverband Aeropers auf

SWISS hat Verhandlungen mit dem Pilotenverband Aeropers über temporäre Krisenmaßnahmen ergebnislos abgebrochen. Dies meldeten übereinstimmend sowohl SWISS als auch Aeropers.

Nun will SWISS den laufenden Gesamtabeitsvertrag kündigen. Für den schweizerischen Pilotenverband Aeropers stellt dies einen “traurigen Tiefpunkt der Sozialpartnerschaft und bedenkliches Zeichen der Firma gegenüber den Piloten” dar. SWISS sieht dagegen, dass Aeropers nicht dazu bereit ist, “genügend Zugeständnisse” angesichts der Corona-Krise zu machen.

Auch SWISS ist von der Krise hart getroffen

Laut eigenen Angaben von SWISS  verzeichnete das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Verlust von 400 Millionen Schweizer Franken (rund 369 Millionen Euro). Zudem hat die Schweizer Regierung der größten Fluggesellschaft des Landes Hilfe in Form eines 1,5 Milliarden hohen Kredits zugesichert. SWISS erklärte, dass es diesen beabsichtige so schnell wie nur möglich zurückzuzahlen.

In den Verhandlungen geht es um den laufenden Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Piloten mit SWISS. Ein GAV ist das Schweizer Äquivalent zum Tarifvertrag in Deutschland. Angesicht der Corona-Krise herrscht generell Bereitschaft diesen anzupassen. Aeropers beschrieb ihre Position folgendermaßen:

“Die aktuelle Krise erfordert von Allen Zugeständnisse und die Piloten haben ein grosses Interesse, dass die SWISS erfolgreich durch diese Krise kommt. Trotzdem müssen die getroffenen Massnahmen verhältnismässig und nachvollziehbar sein, denn auch während der Krise sollen die Arbeitsbedingungen es den Piloten erlauben, ihre Passagiere sicher und zuverlässig ans Ziel zu bringen.”

Für SWISS scheinen diese Zugeständnisse aber nicht weitreichend genug zu sein. Nach mehreren Monaten Verhandlungen seien diese immer noch “nicht tragfähig” für die Schweizer Fluggesellschaft zu sein. Mit der Aufkündigung des laufenden Vetrags will SWISS nun offenbar Druck auf die Pilotengewerkschaft ausüben.

Vetrag läuft noch mindestens 13 Monate

Der Vertrag lässt sich frühestens zum 31. März 2021 kündigen und hat dann noch eine Laufzeit von 12 Monaten. De facto ist der Vertrag also noch nicht aufgelöst und hat noch mindestens eine Laufzeit von über 13 Monaten. SWISS erklärte jedoch bereits seine Absicht, den Vertrag zu kündigen. Der Chief Operating Officer der SWISS, Thomas Frick, erklärt diesen Schritt so:

„Ohne substanzielle Beiträge und einen erweiterten Handlungsspielraum während der Coronavirus-Krise wäre es aus unserer Sicht unternehmerisch und betriebswirtschaftlich unverantwortlich, den aktuellen Gesamtarbeitsvertrag beizubehalten“.

Jedoch sei man weiterhin dazu bereit, mit Aeropers zu verhandeln.

„Wir stehen weiterhin voll und ganz zu unserer Sozialpartnerschaft“, so Thomas Frick weiter. „Und wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit Aeropers einen tragfähigen neuen Gesamtarbeitsvertrag für unsere Piloten abschließen können, der den aktuellen Krisenzeiten Rechnung trägt, der zukunftsfähig ist und insbesondere auch den Anforderungen moderner Arbeitszeitmodelle gerecht wird.“

In dem Vorgehen der SWISS erkennt die Aeropers dagegen einen Opportunismus zuungunsten der Arbeitnehmer:

““Offensichtlich sieht die SWISS nun jedoch in der Krise eine Chance, aus ihrer Sicht schon länger störende Teile des GAV für immer abzuschaffen. Wir setzen uns dafür ein, dass die SWISS-Piloten ihre Passagiere auch weiterhin sicher und zuverlässig ans Ziel bringen können.“

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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