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Trotz COVID-19 – Rio plant „Karneval des Jahrhunderts“

| von Michael Sprick

Derzeit sind die Infektionszahlen in Brasilien niedrig. Rio de Janeiro bereitet sich darauf vor den größten Karneval seit einem Jahrhundert zu feiern.


Trotz COVID 19 Rio plant "Karneval des Jahrhunderts"
Paradewagen in Rio im Jahr 2020. Bildnachweis: Pixabay / Pat_Scrap

Nach einer zweijährigen Wartezeit bereitet sich Rio de Janeiro darauf vor, den größten Karneval seit einem Jahrhundert zu feiern, wie die International Business Times auf Grundlage einer AFP-Meldung schreibt. Für die Cariocas, wie die Bewohner Rios sich nennen, ist der Karneval und der Samba ein wichtiger Teil ihrer Kultur.

Karnevalsvereinigungen in Rio bereiten sich vor

In dem AFP-Bericht kommen Mitglieder der Samba-Schule Viradouro zu Wort, die sich gemeinsam auf die Karnevalszeit vorbereiten. In Brasilien sind die Samba-Schulen zentraler Teil der Feierlichkeiten. Sie stellen Paraden, bauen Wagen, organisieren Tänzerinnen und natürlich die Musik. Im AFP-Bericht kommt eine Percussion-Gruppe zu Wort. Etwa 50 Mitglieder singen, tanzen und umarmen sich auf der Tanzfläche. Abstandsgebot und Masken sind dabei völlig vergessen.

„Es ist ein Schrei nach Freiheit, eine endlose Freude, diese Masken abnehmen zu können“, gesteht ein 35-jähriges Mitglied der Gruppe, das auch auf den Impfungsstatus der Gruppe hinweist. Viradouro war bei den letzten Feierlichkeiten im Jahr 2020 zum Karnevals-Champion gekürt worden. Damals fanden zwei Nächte lang Paraden statt, bei denen 12 Sambaschulen nach verschiedenen Kriterien bewertet wurden.

Entscheidung über Stattfinden steht noch aus

Die lokalen Behörden machen die Durchführung des Karnevals vom 25. Februar bis zum 1. März von der epidemiologischen Situation abhängig, die sich dank der Fortschritte bei der Impfung deutlich verbessert haben soll. Nachdem der Inzidenzwert (7-Tage) über weite Teil des aktuellen Jahres über 200 lag, ist er in den letzten Monaten stark gesunken. Inzwischen liegt er bei 29,7 laut Corona-in-Zahlen.de.

Doch Bürgermeister Eduardo Paes ist dennoch vorsichtig. „Wenn die Bedingungen stimmen, wird der Karneval stattfinden. Wenn nicht, wird er nicht stattfinden“, gab er gegenüber der Wochenzeitung Veja zu. Das Momentum mit der neuen Variante Omikron dürfte dabei stärker in Richtung Absage verschoben sein. Aus Südafrika gibt es allerdings die Meldung der South African Medical Association, dass die neue Variante „milde Symptome“ hervorrufe.

Karneval – ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt

Rio wartet derzeit also noch auf das endgültige Urteil über das Stattfinden des Karnevals. Das hindert die Samba- und Musiker-Gruppen, Tänzerinnen und Wagenbauer nicht daran, schon Arbeit in die Vorbereitungen zu stecken. Zimmerleute, Schweißer, Designer, Kostümbildner. Dutzende von Händen arbeiten in den großen Hallen der Samba-Stadt im Hafengebiet von Rio. Hier haben die Samba-Schulen ihre Räume, in dem sie die Parade vorbereiten.

Dabei ist nicht zu vergessen, dass der Karneval“Der Karneval in Rio ist eine große Industrie, von der viele Familien leben“, erklärt der Architekt Marcus Ferreira, einer der Kreativdirektoren von Viradouro. Dies gilt insbesondere für die 46-jährige Simone dos Santos, Chefin der Kostümbildnerinnen, die nach der Absage der letzten Feierlichkeiten Gelegenheitsjobs annehmen musste, um über die Runden zu kommen.

„Die Pandemie war ein schwerer Schlag für diejenigen, die ihr Leben dem Karneval widmen“, bedauert sie und erinnert sich daran, dass sie seit ihrem zwanzigsten Lebensjahr in diesem Sektor arbeitet.

Größter Karneval seit 1919

Viradouro hat den Karneval von 1919 zum Thema gemacht, der als eine Art Befreiungsfest zum Ende der spanischen Grippeepidemie, die weltweit zwischen 50 und 100 Millionen Todesopfer forderte, gefeiert wurde. Damals gab es noch keine Sambaschulen, aber die Chronisten berichten von einer unvergleichlichen Begeisterung der Bevölkerung. Es soll einer der größten Karnevals in der Geschichte von Rio gewesen sein.

Neben den Paraden im Sambodrom wird auch auf den Straßen gefeiert, mit mehr als 500 „blocos“. Das sind ausgelassene Umzüge mit Millionen von Cariocas und Touristen, die von morgens bis abends tanzen, während der Alkohol in Strömen fließt.

WHO und Landesregierung sind gegen den Karneval

Der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro, der bereits vor der Pandemie die Exzesse des Karnevals kritisiert hatte, sagte am Donnerstag, dass es, wenn es nach ihm ginge, „keinen Karneval geben würde“.

Über 60% der Brasilianer haben zwei Dosen des Impfstoffs erhalten, ein Anteil, der nach Ansicht von Experten immer noch nicht ausreicht. Ein Beispiel dafür sind die aktuellen Infektionswellen in Europa. Selbst in Ländern, in denen die Impfrate deutlich höher liegt, kommt es wieder zu hohen Infektionszahlen.

„Es beunruhigt mich, dass Brasilien über die Wiederaufnahme des Karnevals spricht. Unter diesen Bedingungen ist es sehr wahrscheinlich, dass die Übertragung des Virus zunimmt“, sagte Mariangela Simao von der Weltgesundheitsorganisation diese Woche.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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