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UNESCO entzieht Liverpool Status als Weltkulturerbestätte

| von Michael Sprick

Die UNESCO hat dem Hafen von Liverpool den Weltkulturerbestatus entzogen. Der Hafen steht in der Stadtplanung im Fokus einer Erneuerung.


UNESCO entzieht Liverpool Status als Weltkulturerbestätte

Die UNESCO hat Liverpool am Mittwoch von der Liste der Weltkulturerbestätten gestrichen, wie die BBC berichtet. Die ikonische englische Hafenstadt sei inzwischen überentwickelt worden. Presse und Politik reagieren auf die Entscheidung mit Empörung.

Entzug des Status als Weltkulturerbe

Dreizehn Delegierte des UNESCO-Welterbekomitees stimmten für die Herabstufung des nordwestenglischen Hafens und fünf dagegen. Das ist eine Stimme mehr als die für die Herabstufung einer Stätte erforderliche Zweidrittelmehrheit. Erst 2004 hatte Liverpool den Status als Weltkulturerbestätte erhalten.

UNESCO entzieht Liverpool Status als Weltkulturerbestätte
Canning Dock in Liverpool

Liverpool ist damit erst der dritte Standort, den diese äußerst seltene Maßnahme trifft. Nur zwei Standorte waren zuvor von der seit 1972 bestehenden Liste gestrichen worden. Nämlich der Oman und Deutschland.

Der Oman hatte den Weltkulturerbestatus für das Schutzgebiet der Arabischen Oryxantilope, einer Antilopenart, erhalten. 2007 hat die Unesco diesen entfernt, nachdem der Oman beschlossen hatte, das Gebiet für ein Ölexplorationsprojekt um 90% zu verkleinern. Zwei Jahre später traf es auch das Elbtal in Dresden wegen eines Straßenbrückenbauprojekts.

Jüngst drohte auch Venedig der Entzug des Status als Weltkulturerbestätte. Aufgrund dessen schritt letztlich die italienische Regierung über den Stadtrat hinweg ein und bannte Touristenkreuzer von den Häfen der Stadt. Diese müssen nun an entlegeneren Häfen außerhalb von Venedig anlegen. Auch Angkor Watt droht der Entzug des Status. Die Regierung von Kambodscha möchte einen Vergnügungspark in der Nähe der Tempelanlage errichten.

Hohe Gebäude und neues Fußballstadion machen den Weltkulturerbestatus fragwürdig

Die Entscheidung fiel in Liverpool aufgrund von Plänen zur Sanierung des Hafens. Hohe Gebäude und ein neues Fußballstadion könnten das Kulturerbe „irreversibel beschädigen“, so das UNESCO-Komitee.

Liverpool wurde 2004 nach einer ehrgeizigen Erneuerung des Hafenviertels und der Docks nach Jahrzehnten des Niedergangs zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Als Abfahrtshafen für Millionen irischer und britischer Einwanderer und dem weltweiten Handel hat die Stadt ein reiches Erbe. Es ist eine vielschichtige Geschichte, die mit dem Sklavenhandel auch eine dunkle Seite hat. Ein großer Teil davon ist auch ein musikalisches Erbe. So kommt es nicht von ungefähr, dass die Stadt auch der Geburtsort der Beatles ist. Insgesamt weist Liverpool ein Kulturerbe auf, was die UNESCO als Liverpools „unverwechselbaren Charakter und einzigartigen Geist“ bezeichnet.

Trotzdem hatte die UNESCO die britische Regierung bereits „wiederholt aufgefordert“, stärkere Garantien für die Zukunft des Hafens zu geben. Er stand bereits seit 2012 auf der Liste des gefährdeten Erbes.

Der Standpunkt der UNESCO

Aber die Entwicklungsprojekte wurden fortgesetzt, bis zu dem Punkt, an dem es seine Authentizität verliert. Das neue Stadion für den Fußballclub Everton – von der Regierung ohne jede öffentliche Befragung genehmigt – sei „das jüngste Beispiel für ein Großprojekt, das den Zielen der UNESCO völlig zuwiderläuft“, so der Rat weiter.

UNESCO entzieht Liverpool Status als Weltkulturerbestätte
Albert Dock in Liverpool

„Wir sind extrem enttäuscht von dieser Entscheidung“, sagte ein Regierungssprecher am Mittwochmorgen. „Wir glauben, dass Liverpool seinen Status als Weltkulturerbe immer noch verdient, angesichts der wichtigen Rolle, die die Docks in der Geschichte und in der Stadt im Allgemeinen gespielt haben.

Für Bürgermeisterin und Verwaltung ist die Erneuerung notwendig

Die Bürgermeisterin der Stadt, Joanne Anderson, zeigte sich ebenfalls „enttäuscht“ und sagte, dass sie es „schwer verstehen kann, wie die UNESCO es bevorzugen kann, dass wir leere Docks statt des Everton-Stadions haben“ und sagte, dass sie Einspruch gegen die Herabstufung einlegen werde.

Der Vorsitzende der Liverpool City Region, Steve Rotheram, verurteilte die Entscheidung, die „auf der anderen Seite der Welt von Leuten getroffen wurde, die das Wiederaufblühen“, das die Stadt in den letzten Jahren erlebt hat, nicht zu verstehen scheinen. Er bezeichnete die Entscheidung als rückwärtsgewandt und dass sie „nicht die Realität vor Ort widerspiegelt“.

„Viele der von der UNESCO genannten Stätten befinden sich in Gemeinden, die dringend Investitionen benötigen“, sagte er und argumentierte, dass „Orte wie Liverpool nicht vor die Wahl gestellt werden sollten, ob sie ihren Kulturerbe-Status beibehalten“ oder „Gemeinden helfen, die zurückgelassen werden“.

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Mehrere Länder, darunter auch Australien, dessen Great Barrier Reef ebenfalls von einer Herabstufung bedroht ist, hatten sich gegen die Streichung von Liverpool von der Liste ausgesprochen und sagten, es wäre eine „radikale“ Maßnahme inmitten einer Coronavirus-Pandemie. Brasilien, Ungarn und Nigeria baten darum, die Entscheidung um ein Jahr zu verschieben, um dem im Mai neu gewählten Stadtrat mehr Zeit zu geben.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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