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USA: Debatte um Impfnachweise und Tests für Flüge spaltet das Land

| von Michael Sprick

In den USA gibt es für Inlandsflüge noch keine Impf- oder Testpflicht. Kanada führt diese jedoch bald ein und löst damit auch eine Kontroverse im Nachbarland aus.


USA: Debatte um Impfnachweise und Tests für Flüge spaltet das Land
American Airlines. Bildnachweis: Unsplash / Miguel Angel Sanz

Weltweit hat sich das Fliegen im Zuge der Pandemie stark gewandelt. Maskenpflicht, negative Testergebnisse und Impfnachweise. Was zumindest in Europa und Asien zum Standard geworden ist, gilt in den USA jedoch zumindest bei Inlandsflügen noch nicht. Hier findet der Flugverkehr – abgesehen von der Maskenpflicht – weitestgehend wie vor der Pandemie statt.

Schon seit längerem hält die Debatte an, ob sich dies nicht ändern sollte. Anlass für den jüngsten Anstoß zur Debatte ist, dass Kanada eine Nachweispflicht zum Ende des Monats einführen wird. Die New York Times führt dabei in einem langen Artikel die Pro- und Kontra-Argumente von Befürwortern und Gegnern auf.

Fauci und viele Politiker befürworten die Maßnahme

So gehört zum Beispiel Dr. Anthony S. Fauci, der oberste medizinische Berater von Präsident Biden, zu den Befürwortern. Er hat erklärt, dass er den Vorschlag unterstützt, bei Inlandsflügen einen Impfnachweis zu verlangen. Viele Politiker schließen sich der Meinung Faucis an.

Das Weiße Haus hat sich bei der Maßnahme bisher jedoch zurückhaltend gezeigt. Es hat erklärt, dass es sich auf andere Strategien konzentriert, um eine breite Impfung zu fördern. Gleichfalls forderte die Regierung jedoch von den Fluggesellschaften des Landes, ihre Crews zu impfen.

Flugbranche ist gegen die Nachweispflicht

Dagegen halten natürlich die Vertreter der Fluggesellschaften selbst. Die Verbände berufen sich dabei auf eine Studie, die besagt, dass die Luft in Flugkabinen „sicherer ist als die Luft in einem Operationssaal“. Sie fügen hinzu, dass die meisten Amerikaner sowie insbesondere das Flugpersonal geimpft sind und dass die bestehende bundesweite Maskenpflicht jedes verbleibende Übertragungsrisiko radikal reduzieren sollte.

Die Aussage, dass ein Flugzeug sicherer sei als ein OP-Saal, stammt aus einer weithin anerkannten Studie. Sie stammt vom Verteidigungsministerium selbst und wurde im vergangenen Oktober veröffentlicht. Darin hatte Wissenschaftler festgestellt, dass die Luftzirkulationssysteme in zwei Typen großer Boeing-Flugzeuge sogar besser in der Lage sind, Partikel aus der Luft zu filtern als die Filtersysteme, der empfohlene Standard für die meisten Operationssäle in Krankenhäusern.

Andere Untersuchungen haben auch gezeigt, dass die Luft in einer typischen Kabine alle zwei bis drei Minuten erneuert wird, was die Übertragung des Coronavirus verhindert. Das Risiko einer Übertragung steigt jedoch, wenn die Passagiere keine Masken tragen, so Dr. Lin H. Chen, der ehemalige Präsident der Internationalen Gesellschaft für Reisemedizin.

Daher hat auch die Gegenseite starke Argumente. „Wir sehen keinen Grund, die Impfung auf dem heimischen Markt vorzuschreiben“, sagte Willie Walsh, der Generaldirektor der International Air Transport Association (IATA). Wenn man Impfungen und Tests für Flüge vorschreibt, dann muss man dies auch für alle anderen Transportmittel vorschreiben, sagte Walsh, denn im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit der Übertragung des Coronavirus sei „ein Flugzeug weniger riskant als ein Zug, ein Bus oder ein Auto“.

Schwere Verspätungen und lange Schlangen erwartet

Ein vielfach genanntes Argument ist dabei auch, dass die Einführung zu schwer umzusetzen sei. In den USA gibt es kein digitalisiertes und standardisiertes System für die Impfpässe wie in Europa. Die Anerkennung und Feststellung der Impfnachweise und der negativen Tests könnte damit die Abfertigungszeiten stark verzögern.

Hawaii ist der einzige Staat, der von einheimischen Besuchern einen Nachweis über eine Impfung oder einen negativen Test verlangt. Um eine Quarantäne zu vermeiden, können Reisende ein Bild ihres von der C.D.C. ausgestellten Impfausweises oder einen negativen Coronavirus-Test in das Safe Travels System des Staates hochladen.

Das System hat mehrere Iterationen durchlaufen: Anfangs verursachte die Überprüfung der Testergebnisse schreckliche Warteschlangen an den Flughäfen und brachte Reisende mit Anschlussflügen in Bedrängnis, sagte Peter Ingram, der Geschäftsführer von Hawaiian Airlines. Inzwischen äußert sich dieser als einer der wenigen Vertreter seiner Branche auch positiv zu der Maßnahme: „Ich würde nicht sagen, dass es nicht funktionieren kann“, sagte er.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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