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Venedig will Touristen durch Handy-Tracking und CCTV überwachen

| von Michael Sprick

Um den Tourismus einzudämmen und die Ausbreitung des Coronavirus zu minimieren, plant Venedig Touristen mithilfe von Kameras, einem Handy-Ortungssystem und mehr zu überwachen.


Venedig will Touristen durch Handy Tracking und CCTV überwachen
Blick auf den Grande Canale, Venedig. Bildnachweis: Unsplash / Federico Beccari

Seit langem kämpfen die italienischen Behörden gegen das Phänomen des Massentourismus in Venedig an. Dieser hat nachweislich negative Effekte auf die Gesellschaft und Umwelt in und um Venedig herum. Doch die jüngsten Maßnahmen, die die Regierung der Stadt nun ergreifen will, dürften etwas zu viel des Guten sein.

Überwachungssystem aus Handy-Tracking und 468 Kameras

Wie Reuters berichtet, werden die Behörden in Venedig ein umfassendes Überwachungssystem einsetzen. Es besteht aus468 CCTV-Kameras, optische Sensoren und ein System zur Verfolgung von Mobiltelefonen. Dies dient dazu, Einwohner von Besuchern zu unterscheiden. Dies soll ihnen die Instrumente an die Hand geben, festzustellen, wie sich Menschen in der Stadt bewegen.

Die Lagunenstadt wird auch messen, wie viele Gondeln auf dem Canal Grande fahren und wie schnell sie fahren. Die Daten werden alle 15 Minuten erfasst, um aktuelle Analysen zu erstellen.

Genaue Details der Überwachung noch nicht öffentlich

Wie es dabei um die Anonymität und dem Datenschutz steht, geht dabei nicht aus den öffentlich verfügbaren Informationen hervor. Auch ist nicht klar, ob Gesichtserkennungstechnologie zum Einsatzkommen soll. Durch die europäischen Gesetze ist der Schutz von Daten immer zu einem gewissen Grad abgedeckt. Allerdings ist der Einsatz von Gesichtserkennungstechnologie noch nicht vollständig geklärt.

Die italienische Polizei hat schon 2017 ein Gesichtserkennungsssystem erworben, das sie seit 2020 einsetzen will, um Asylbewerber besser identifizieren zu können. Fälle wie Venedig können als Steigbügel für den Missbrauch dieser Technologie dienen.

Zutritt für Touristen nur noch durch Buchung und App-Nutzung

Die Behörden arbeiten an Vorschriften, die Touristen dazu verpflichten, für ihre Reise nach Venedig eine App zu nutzen. Außerdem werden Touristen gezwungen, je nach Jahreszeit zwischen 3 und 10 Euro für den Eintritt zu zahlen.

Die venezianischen Behörden testen auch flughafenähnliche Drehkreuze, um die Zahl der Reisenden, die in die Stadt einreisen, zu kontrollieren, wobei die Beamten in der Lage sind, Touristen abzuweisen, wenn die Zahl der Menschen innerhalb der Stadtgrenzen die Obergrenze erreicht. Die Infrastruktur hierfür ist teilweise schon einsatzbereit.

Stadt soll nachhaltiger und lebenswerter werden

Der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, sagte, dass die Beschränkungen erstmals 2019 diskutiert wurden, aber die COVID-19-Pandemie zwang die Behörden, die Umsetzung zu verschieben. Es wird erwartet, dass die Regeln zwischen dem nächsten Sommer und 2023 in Kraft treten werden.

Brugnaro sagte, dass die Behörden versuchen, den Tourismus in einer Stadt, die 25 Millionen Menschen pro Jahr besuchen, nachhaltiger zu gestalten.

„Ich erwarte Proteste, Klagen, alles Mögliche… aber ich habe die Pflicht, diese Stadt lebenswert zu machen für diejenigen, die sie bewohnen und auch für diejenigen, die sie besuchen wollen“, sagte Brugnaro. „Es wird Bedingungen geben, um Vorzugsbuchungen und Rabatte zu erhalten.“

„Man kann nicht im Badeanzug kommen“, so Brugnaro weiter. „Man darf nicht von einer Brücke springen oder sich betrinken. Wer kommt, muss die Stadt respektieren.“

Im Bericht von Reuters kommt auch ein Einwohner von Venedig zu Wort. Er beklagt, dass Venedig das Romantische verloren hätte. Heutzutage wären die Leute nur noch in Eile. Sie würden Fastfood bestellen, schnell ein Selfie auf der Rialto Brücke machen und den nächsten Zug erwischen.

Allerdings ist fraglich, ob die Stadt romantischer wird, wenn sie an ihren Zugangspunkten von Drehkreuzen abgegrenzt ist. Die vielleicht etwas reduzierten ankommenden Touristen werden demnächst noch immer Fastfood kaufen und Selfies machen. Allerdings werden sie dabei noch zusätzlich überwacht werden. Es ist eine Nebelkerze den Übertourismus als Argument für die Einführung von Überwachungstechnologie zu nutzen. Die 468 Kameras in der Stadt werden bei ihren Aufnahmen jedenfalls nicht zwischen Touristen und Einwohnern unterscheiden.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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