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Venedigs Verbot für große Kreuzfahrtschiffe in Kraft getreten

| von Michael Sprick

Gestern ist das Verbot für große Kreuzfahrtschiffe in der Stadt von Venedig in Kraft getreten. Nun suchen Stadt und Tourismusbranche nach einer Ausweichlösung.


Venedigs Verbot für große Kreuzfahrtschiffe in der Lagune beginnt heute
Sonnenaufgang in Venedig. Bildnachweis: Unsplash / Marco Secchi

Seit gestern ist in Venedig udas kürzlich angekündigte Verbot für Schiffe und Kreuzfahrtschiffe mit einem Gewicht von mehr als 25.000 Tonnen oder einer Länge von mehr als 180 Metern in Kraft. Darüber berichtet die Zeitung Il Resto del Carlino. Es verbietet Schiffen ab dieser Größe in den flachen Giudecca-Kanal der Stadt einzufahren, der am Markusplatz vorbeiführt.

Italienische Regierung handelte auf Druck der UNESCO

Seit gestern dürfen nur noch kleine Passagierfähren und Frachtschiffe in der empfindlichen Umgebung des historischen Zentrums der Lagunenstadt fahren.

Die italienische Regierung hat die Maßnahme beschlossen, um den Status der Stadt als UNESCO-Weltkulturerbe nicht zu gefährden. Denn die UNESO erwog, Venedig während der 44. Sitzung des Welterbekomitees auf die Liste des gefährdeten Welterbes“ zu setzen.

Die UNESCO hatte sich bereits in den letzten Jahren besorgt über die schädlichen Auswirkungen des Übertourismus gezeigt. Insbesondere die Kreuzfahrten und ihre Auswirkungen auf die Stadt und das empfindliche Ökosystem der Lagune waren Anlass für die Sorgen. Die UNESCO wies auch darauf hin, dass die Auswirkungen des Klimawandels den Verfall des historischen Zentrums zusätzlich verstärken könnten.

Kontroverse um das Verbot lief schon seit Jahren

Nachdem im Juni 2019 ein MSC-Kreuzfahrtschiff im Giudecca-Kanal zusammen mit einem Uniworld-Flussschiff gegen ein Dock in Venedig geprallt war, wurde der Ruf nach Maßnahmen lauter. „Der heutige Unfall im Hafen von Venedig beweist, dass Kreuzfahrtschiffe die Giudecca nicht mehr befahren dürfen“, sagte der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli damals. Dennoch hatte die Regierung zunächst keine praktikablen Lösungen gefunden.

Zwischenzeitlich hatte die Pandemie den Zustrom von Touristen und auch der Kreuzfahrtschiffe angehalten. Einen Umstand, den viele Venezianer verteidigen wollten, bevor die Schiffe vor ein paar Monaten wieder nach Venedig zurückkehrten. Hunderte von Demonstranten empfangen die ersten Schiffe und zogen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich.

Industriehafen außerhalb der Stadt dient als Zwischenlösung

Die Regierung hat daraufhin den nahegelegenen Industriehafen von Marghera auf dem Festland als vorübergehende Lösung außerhalb der Lagune auserkoren. Allerdings sind die Kreuzfahrtunternehmen und die Stadt noch auf der Suche nach einer attraktiveren Lösung.

Gegner des Verbots argumentierten, dass der Lebensunterhalt vieler Venezianer weiterhin vom Tourismus und der Kreuzfahrtindustrie abhängt. Die Regierung hat jedoch versprochen, dass sie die von dem neuen Verbot betroffenen Unternehmen und Arbeitnehmer entschädigen wird.

Michael Sprick
Autor:

Micha ist ein Work-and-Travel-Enthusiast. Im Tourismus hat er als Stadtführer in Brüssel und Köln gearbeitet. Mit Reiseuhu News verbindet er seine beiden Leidenschaften Reisen und Journalismus.

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